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Wieder mal was zu lesen

Juni 17, 2008

Mc Donalds

Letztes Wochenende war wieder mal ein Delhi Erkundungswochenende. Zuerst Tempel&Co. Doch dann als wir nach Hause wollten, merkten wir, dass wir nur noch grosse Noten hatten. Nichts, mit dem wir den Rikshawallah hätten bezahlen können. Die einzige Möglichkeit kleineres Geld zu bekommen, war etwas in einem grösseren Laden zu kaufen, was nicht immer ganz einfach ist. In diesem Fall war ein Mc Donald’s das nächste. Und das war – wider Erwarten – ein indisches Erlebnis. Paneer-Burger (Paneer ist ein indischer Kàse, supergut). Ich hatte wegen Magenverstimmung nur Kaffee (….), Katja, meine Mitbewohnerin freute sich dagegen auf einen Chicken Burger (für richtige Fleischesser ist es hier im Vegiparadies manchmal schwierig..). Die Überraschung war nicht klein, als der Burger gut indisch gewürzt daher kam. Was mich als McDonald’s-boykottiererin gefreut, sie dagegen eher frustriert hat.

Aus warm wird heiss, aus heiss wird schwül

 Es ist so weit, der Monsun hat - 2 Wochen frueher als ueblich -begonnen. Es ist immer noch warm, bzw. heiss, aber extrem feucht geworden. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas erlebt, nicht einmal in der Sauna habe ich jedes Mal so geschwitzt, wie ich es hier an einem warmen, feuchten Tag tue. Der Schweiss rinnt den Körper runter, auch wenn man nur im Schatten sitzt. Aber man gewöhnt sich auch an das und trägt einfach ein Schweisstuch mit sich, mit dem man sich in regelmässigen Abständen das Wasser aus dem Gesicht und dem Nacken wischt. Und endlich habe ich den Unterschied zwischen trockener Hitze und feuchter Hitze gelernt: trockene Hitze ist wenn man literweise Wasser trinkt und das Wasser einfach spurlos verschwindet. Es kommt nirgendwo aus dem Koerper. Feuchte Hitze ist wenn das getrunkene Wasser den Koerper herunterlaeuft, statt spurlos zu verdunsten.

 Delhi

Auch nach 2 Monaten ist und bleibt Delhi eine Herausforderung. Die SUVA würde die Stadt verbieten: zu laut, zu stinkig. Ich frage mich manchmal ernsthaft, ob nicht die Hälfte der Leute hier einen Gehörschaden haben. Wenn einem täglich mehrmals direkt superlaut ins Ohr gehupt wird muss das mit der Zeit doch Spuren hinterlassen. In Amritsar habe ich halb amüsiert halb bewundernd ins Ohrinnere eines anderen Touristen geschaut – und dort ein Ohropax gefunden. Vielleicht keine schlechte Idee…

 Reisen

Seit dem letzten Bericht war ich 2 mal unterwegs.

 Agra, 31. Mai – 1. Juni

Ein Wochenendausflug ging nach Agra zum Taj Mahal. Eine unmögliche Stadt, ein eindrücklicher Taj Mahal, wobei ich mich allerdings frage, ob der Besuch der Preis wert war. Ganz prinzipiell, nicht in absoluten Zahlen gemessen. Eine indische Person bezahlt 20 Rupien Eintritt, das Ausländerticket kostet 750!!!! Vor ein paar Jahren bezahlten auch Ausländer nur 20 Rupien, doch dann hat die UNESCO den Taj Mahal zum Weltkulturerbe erkoren – und der Eintrittspreis ist auf 900Rupien in die Höhe geschnellt. Nach allseitigem Protest wurde der Preis minim auf 750 gesenkt.

 Amritsar, 06. – 08. Juni

Vorletzes Wochenende ging es in den Norden an die pakistanische Grenze nach Amritsar, das Mekka der Sikhs. Im Amritsar steht der Goldene Tempel, umgeben von heiligem Wasser. Im Gegensatz zu Agra war hier alles umsonst. Schlafen im Gurudwara im Tempel, Essen mit Hunderten von anderen Leuten, um den Tempel spazieren, in den Tempel gehen (2 Stunden anstehen, auch um 4:30 am Morgen!). Die Leute, waren offen und hilfsbereit und nicht hatten es nicht nur auf Geld abgesehen. Um 11 Uhr in der Nacht führten uns ein paar Buben durch die Tempelanlagen, erklärten in gebrochenem Englisch, was so passiert und haben Kin, einem Trainee, einen Turban gebunden. Mit seinem Bart hat er wie ein richtiger Sikh ausgesehen. J Speziell für Amritsar und Sikh-Tempel im Allgemeinen ist das Essen umsonst für alle. Und das Essen ist gut! Die Organisation des Ganzen mit einer für Indien untypischen Effizienz. Man kommt zur Essenshalle, bekommt einen Teller und eine Wasserschale in die Hand gedrückt, wird weiter gelotst und gebeten, in einer der langen Reihen im Saal am Boden Platz zu nehmen. Hunderte von Leuten sitzen so, und konstant laufen Freiwillig helfende mit Kübeln gefüllt mit Reis, Dal, Chapatis etc etc durch die Reihen und füllen jeden Teller bis alle Mägen gefüllt sind. Sind alle fertig, wird der Raum geputzt, während Hunderte von anderen Leuten im ersten Stock essen. Und bis die fertig sind, ist der Raum unten sauber und neue Leute strömen hinein. So geht das 24 Stunden lang. Irgendjemand von unserer Gruppe hat mit jemandem ein Gespräch angefangen, der jeweils am Sonntag im Tempel arbeitet. Er hat uns nach dem Essen zu Chai eingeladen und und die Küche erklärt. Das war eindrücklich. Hunderte Liter Milch in einem Topf, Hundertausende von Chapatis werden produziert (die Hälfte traditionell von Hand, der Rest von einer Chapatimaschine). Und jeder kann helfen. Ich habe mich am Schluss der Führung zu den Tellerwascherinnen gesellt. Und selbst das Tellerwaschen ist gut organisiert und das Resultat lässt sich sehen! Zuerst werden die Essensreste von den Tellern gewaschen, dann werden die Teller 2 Mal mit Seife gewaschen und 3 Mal in klarem Wasser gespült. Und da die Teller alle aus Metall sind, hinterlässt die Waschkette ein lauter, regelmässiges Geklapper, das die ganze Nacht andauert. Schlafen im Tempel war auch ganz spannend: Nicht alle von unserer Gruppe wollten im Tempel schlafen, sodass wir nur zu dritt (von 15) im Tempel die Schlafräume suchten. Das Prozedere war super unkompliziert. Ein Raum pro Haus ist für Ausländer reserviert (was ich sehr geschätzt habe), ist ein Bett frei, ist es deins und du platzierst dein Leintuch oder Schlafsack um dies zu signalisieren. Für Gepäck hat es Schliessfächer, um zu Duschen eine Dusche. Und in der Nacht wacht ein Sikh-Wächter über uns (und wahrscheinlich die Sitten). Um 4:30 am Morgen wollten wir aufstehen um die Zeremonie zu sehen, wie sie das heilige Buch der Sikhs wecken. Leider geschah das Ganze im Tempel – und ich hatte beim besten Willen eine Lust 2 Stunden anzustehen, um dann zu merken, dass die Zeremonie vorbei ist. Es war unglaublich, wie viele Leute so früh in der Tempelanlage waren. Mehr, als wir am Nachmittag gesehen haben! Und um 11 Uhr nachts sind all die Leute, die am Morgen auf sind, ueberall am Boden verstreut und schlafen einen tiefen und gesunden Schlaf – auf Marmorboden. Wir zogen unsere einfachen Betten im Schlafsaal dennoch vor und waren um 6 Uhr wieder im Land der Träume.

Das normale Touri-Programm in Amritsar beinhaltet auch eine Exkursion an die Pakistanische Grenze. Jeden Abend wir die Grenze mit grossem Tam-Tam von beiden Seiten geschlossen. Ein Volksfest, während dem beide Seiten ihre Macht und Volkszusammenhalt demonstrieren. Die Grenzwächter hüpfen wie eine Mischung zwischen Pferd und Ballerina zum länderteilenden Tor, die Inder rufen „Hindustan“, die Paktistani „Pakistan“. Spannend war aber der Blick über die Grenze: auf der einen Seite die Männer, auf der andern die Frauen mit Tschador oder zumindest Kopftuch. Die geografische Distanz waren nur einige Meter, die Kulturen dem Anschein nach so verschieden.

 Trainee-Leben

Es gibt Luft in unserer WG. Zwei meiner MitbewohnerInnen sind schon abgereist, bald geht der dritte. Es ist direkt komisch, wenn um 7 oder 8 Uhr abends nicht 8 Leute um den Herd tigern und warten, bis eine Pfanne oder eine Platte frei wird. Oder wenn man nach Hause kommt und niemand ist hier. Dafür können wir nun alle normal am Tisch sitzen. Mal schauen, wie lange das so bleibt. In unserer Trainee-Community ist ein ständiges Kommen und Gehen. Am Anfang wird man oft gefragt, wann man denn angekommen sein. Nach einer Weile ändert sich die Frage zu: Wann gehst du? Und das ist nicht bös gemeint.

Und nun bin auch ich ein Opfer der Mageninfektionen, wie sie hier so fast jeder hat. Heute morgen war ich im Spital und habe meine Antibiotika verschrieben bekommen. Ein Durchfall wie dieser gehört verboten! Ich verstehe nun, wieso die Todesursache Nummer eins in Indien Durchfall ist. Ohne Medis – und wichtiger – Wasser, geht jegliche Nahrung unverdaut durch den Körper durch. Schwups und weg.

Arbeit

Letzte Woche hat die Konferenz stattgefunden, in deren Organisation ich verwickelt gewesen war. Das war eine schwere Geburt, zumindest für mich. Email-Kommunikation funktioniert nur, wenn man anruft, sobald man das Mail geschrieben hat und es gegebenenfalls nochmals schickt oder an eine andere Adresse, weil die Adressen schneller wechseln als die Updates auf den Homepages und Dokumenten. Oder aber die Person checkt einfach die Mailbox nicht. Organisiert man eine Sitzung, muss man zudem darauf gefasst sein, dass die Leute nicht erscheinen, wenn man ihnen nicht mindestens 2-mal täglich hinterher telefoniert. An einem gewissen Punkt war für mich das Chaos so gross und die ewigen Änderungen im Konzept so frustrierend, dass ich dankbar war, die Federführung abgeben zu können und einfach irgendwo ein kleines Rädchen spielte. Nicht genau, was ich mir vom Praktikum hier erhofft habe, aber auf jeden Fall eine interkulturelle Lebenserfahrung (auch wenn mir von der anderen Organisation, die dann die Federführung übernommen hat, versichert worden ist, dass das ein sehr untypischer Organisationsablauf war): Hochrangige Namen zierten unsere Einladung, Geld floss ganz plötzlich von der UNICEF und dem Staat und das Ganze schien ein Erfolg gewesen zu sein. (Da alles in Hindi war, habe ich sehr wenig vom Ganzen verstanden, obwohl ein Arbeitskollege sich Mühe gegeben hat, mir zu erklären, was passiert.)

 Mobile loss

 Die Zurückeroberung meiner alten indischen Telefonnummer hat sich zu meiner Freude wider Erwarten als Spaziergang erwiesen. Man muss nur 2 Sachen tun: a) Man schreibt ein Zettel von Hand, in dem geschrieben steht, wie das Natel verloren geganen ist, wo und wann und dass man dieselbe Nummer wieder haben möchte. Der Officer drückt einen Stempel und eine Unterschrift aufs Papier (gratis!) und mit dem Zettel konnte ich in den Vodaphone Laden, bezahlte 100 Rupien und hatte meine Nummer wieder, sogar mit dem alten Kredit (der glückliche Finder meines alten Natels hat jedoch gute Arbeit geleistet und fast alles wegtelefoniert). Jetzt habe ich wieder ein Nokia, das einen Bollywoodsong spielt, wenn jemand anruft und das Hindi-zeichen auf der Tastatur hatte. Es ist zwar einiges weniger spektakulär als das Telefon, das ich als Übergangsnatel hatte, das jeden Knopfdruck in Hindi kommentiert hat, dafür lässt es sich VIEL besser bedienen.

Delhi zum Zweiten, 24.4.08

Mai 11, 2008

Dharamsala

Und schon folgt der zweite Bericht über Leben und leben lassen in Delhi. Anscheinend habe ich mich das letzte Mal nicht ganz klar ausgedrückt: Da ich von Montag bis Freitag arbeite, stehen nur die Wochenenden zum Reisen zur Verfügung. Wir sind deswegen am Freitag Abend losgefahren, 12 Stunden in einem erstaunlich bequemen Bus durch die Gegend geholpert und sind gegen den Morgen in Dharamsala, bzw Mac Leonid Ganj angekommen. Aussehen tut es dort ein bisschen wie in den Schweizer Bergen, nur ist alles ein bisschen höher. Und die Leute ein bisschen anders. Der Unterschied zu den Leuten in Delhi war frappant: Einige singen in den Strassen und im Gegensatz zu Delhi kann man den Leuten direkt in die Augen schauen und mit ihnen lachen. Hier würde ein solches Verhalten eine Aufforderung für näheren Kontakt sein, in Mc Leonid war es einfach ein gemeinsames Lachen.

Das Dorf ist allerdings auch touristischer als Delhi, zumindest als das Delhi, das ich bis jetzt kenne. Hier in Delhi sind die Leute eher schick (à la indienne, versteht sich. Sprich lange Hose und Ärmel, auch bei 40 Grad), dort oben sieht man viele „Schmuddelrucksacktouristen“.

Natürlich hinterlässt der Protest gegen die olympischen Spiele auch dort seine Spuren. Jeden Tag gibt es einen Protestmarsch mit Kerzen und tibetischen Flaggen und überall sind Zeitungsartikel an die Wände geklebt worden, in welchen die Unterdrückung thematisiert ist. Zudem hängen an verschiedenen Orten im Dorf verteilt und bei den Tempeln schreckliche Bilder, welche misshandelte oder getötete Menschen in Blut liegend zeigt. So war der Besuch des Haupttempels für mich nicht etwa beruhigend oder inspirierend, sondern deprimierend und das Verlassen des Tempels eine Erleichterung.

Ansonsten waren wir eine witzige Gruppe, 7 Leute, darunter ein Amerikaner, der mit jedem Hund (und von denen gibt es eine Menge!) und vorbeigehenden Menschen in Kontakt trat, sodass wir trotz „Gruppenreise“ mit sehr vielen Leuten – Touristen, Mönche und Lokale – ins Gespräch gekommen sind.

Nach zwei Tagen in Frischluft hiess es dann schon wieder losfahren. Der Bus schien Neuer, was aber nicht vor einem Platten schützte. Zum Glück wohnen wir aber im i-pod-Zeitalter, sodass wir während der Wartezeit neben dem Bus unsere kleine Privatdisco auf der Strasse hatten, was einem Auto voller Sikhs ein Stopp und ein paar Fotos wert war. J

Der Rest der Reise verlief ziemlich reibungslos und nach einer kurzen Dusche zu Hause ging es ab wieder ins Büro.

Arbeit

Viel habe ich bis jetzt noch nicht geleistet. Nachdem klar geworden ist, dass ich nicht das machen werde, was in meinem Vertrag steht, organisiere ich nun eine Konferenz über Kinderrechte und je eine Präsentation über Schweden und Dänemark, weil dies die Hauptsponsoren „unserer“ Kinder sind. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das Büro hat etwa 9 Leute, von denen aber selten alle im Büro sind, da die Mitarbeiter oft in den Projekten sind. Wir haben ca. 9 Computer, davon 2 mit Internetanschluss, wobei der eine meiner Chefin gehört. Wer also etwas verschicken oder nachschauen sollte, muss zuerst warten, bis der „Internetcomputer“ frei wird. Eher kompliziert ist auch, wenn man Dokumente von einem Computer auf einen Anderen transferieren möchte. Da mein Arbeitscomputer noch keinen USB-Anschluss hat, muss ich zuerst eine CD mit den Daten brennen, um mit dieser CD an einem anderen Computer (mit Internet oder so) weiter an dem File zu arbeiten, worauf das veränderte File wieder gebrannt und zurück auf den Arbeitscomputer kopiert werden muss. Für mich ist diese Arbeitsweise eher beschwerlich, da ich es gewohnt bin, alles sofort nachschauen zu können und zwischen dem zu schreibenden Dokument und den Infos im Netz hin- und herzuswitchen. Scheint, dass ich eine neue Arbeitsweise zu lernen habe und sehe, wie es war, zu den Zeiten als es das Internet noch nicht gab.

Ansonsten habe ich wieder ein paar Projekte besuchen können, die mich alle sehr beeindruckt haben. Heute zum Beispiel waren wir im SOS Kinderdorf ausserhalb der Stadt. Ein wunderschönes Dorf, das den Eindruck eines Ferienortes hatte. Beeindruckend war aber nicht primär das Äussere, sondern die Lehrbuchreife der Strategie der Organisation. Nichts von „wir kommen und bringen euch eine bessere Welt“, sondern Ausbildung der Unterprivilegierten, damit sie sich selber organisieren können. Wir haben zwar gelernt, diesen Ansatz bei der Arbeit mit Unterprivilegierten zu verfolgen, doch so konsequent – und anscheinend auch erfolgreich – umgesetzt wie hier in Indien, habe ich das noch nie gesehen. (Wobei ich schon gespannt bin, ob sich meine Meinung in den nächsten zwei Monaten noch ändern wird.)

Temperaturen und magic AC

Die Temperaturen steigen und steigen, im Moment sind wir bei plus/minus 40 Grad. Und trotzdem tragen wir lange Hosen und die meisten auch längere Ärmel – und ich bin erstaunt, dass dies überhaupt erträglich ist. Aber so weit geht alles gut. Ist man in einem Raum, gibt es eine Herausforderung, mit der ich in der Schweiz noch nicht gerechnet habe: Wind. Lose Blätter auf dem Tisch werden vom Ventilator sofort weggeblasen. So muss alles Lose beschwert werden, und wenn die Putzfrau kommt, wird der Ventilator ausgeschaltet, damit der Staub nicht einfach in der Luft herumgewirbelt wird. Von dem ganzen Gebläse wird mir manchmal allerdings auch Sturm im Kopf – es ist wie an einem leicht stürmisch windigen Herbsttag. Jedoch ist dies angenehmer, als die dicke Luft, die sonst in den Räumen herrscht, welche selten wirklich Fenster haben.

Ein Luxusgut und wohl immer mehr zum Thema wird die Klimaanlage, sprich AC (air conditioning). Bereits jetzt kann ein Restaurant dem anderen bevorzugt werden, weil das eine AC hat und das andere nicht. Bei mir im Büro hat nur die Chefin das Privileg von kühler Luft, der Rest arbeitet unter einem künstlichen Sturm. In unserer Wohnung haben wir auch nur Ventilatoren und überlegen uns, ob wir uns nicht eine AC anschaffen sollen. Schon jetzt schlafe ich mit dem Ventilator voll aufgedreht, weil es auch in der Nacht um die 30 Grad ist und man die Wohnung mangels Fenster nicht durchlüften kann.

Verkehr

Wie wohl alle wissen, gibt es in Indien Rikshas, Auto-Rikshas und Bicycle-Rikshas. Jeden Morgen fahre ich ca 20 Minuten mit einer Auto-Riksha durch einen endlosen Stau zum Büro. Bevor ich aber losfahren kann, muss ich zuerst eine freie Riksha finden und einen Fahrer, der mich zu einem angemessenen Preis mitnimmt. Das funktioniert so, dass man am Strassenrand steht und winkt, wenn eine freie Riksha kommt. Dann wird über den Preis verhandelt. Natürlich würde es einen Taxometer geben, wie in einem Taxi, aber der wird von den Rikshafahrern nur selten und ungern benutzt, weil sie dann weniger Geld machen. Nach dem Verhandeln geht es los. Der Fahrer schlängelt sich durch Stau, alle möglichen Verkehrsmittel und Kühe und macht dies mit einer extremen Präzision. Die Rückspiegel stehen in der Regel nicht vom Auto ab, sondern sind innen angemacht, damit man besser durch Lücken im Verkehr kommt. Selbst die Autofahrer haben den Rückspiegel auf der Mitfahrerseite entweder abgenommen oder nach innen geklappt.

Die Abgase in der Luft hier sind extrem, sodass ich immer einem Mundschutz in der Tasche habe, den ich mir vor die Nase halte, wenn es zu arg wird. Was aber nicht vermeidet, dass alles, was bei einem Schneuzer aus der Nase kommt, pechschwarz ist. Ein Trainee fährt trotzdem nur noch mit Gesichtsmaske Riksha, weil er sich einen Husten geholt hat, den er auf die Abgase zurückführt. Um das nicht selbst ausprobieren zu müssen, folge ich seinem Beispiel – und bin dabei nicht die Einzige, es gibt auch InderInnen, die dasselbe tun. Früher sei es allerdings noch mehr verbreitet gewesen.

Stromausfall

In den letzten Tagen haben Stromausfälle unfreiwillig zu romantischen candle-light dinner oder schmelzenden Kühlschränken und daurauffolgende Pfütze in der Küche geführt. Jetzt ist es auch wieder der Fall, weswegen ich hier mit meinen eh schon zu langen Bericht ende, bevor meinem Computer noch der letzte Strom ausgeht.