Archiv für die Kategorie ‘Blabla’

Zurück und doch noch nicht alles gesagt

August 6, 2008

So schnell kann es gehen. Nach einem kurzen hochzeitlichen Intermezzo in Moskau sitze ich schon im Garten meiner Eltern (grün!), wireless Internet, Käsefrühstück, kühles Wetter, warmes Wasser so viel man will, Einkaufszentren mit Unmengen an Essen, Ruhe und Musik aus der Stereoanlage. Und Zeit, noch zu schreiben, was bis jetzt keinen Platz hatte. Zum Beispiel über

Frauen in Indien.

Indien ist ein grosses Land, ein Subkontinent, und voller Paradoxen (deutsche Sprache?). Eines sind die Frauen. Indien hat eine der höchsten Prozentzahlen von aktiven Frauen in der höheren Politik. Frauen sind aktiv im Geschäftsleben, ich selbst hatte auch eine ChefIN. Nichtsdestotrotz sind es die Frauen und Mädchen, welchen von den Familien Bildung und Teilnahme am öffentlichen Leben verweigert wird. Wozu in die Schule gehen, wenn sie eh mit 18 verheiratet wird und dann Kinder hat? So werden die Mädchen zu Hause intensiv auf ihr Leben als Hausfrau vorbereitet. Sie helfen der Mutter, lernen zu gehorchen, nähen, kochen, während die Buben draussen spielen dürfen und schon dort die Rolle der Übergeordneten lernen. So sieht man wenig Frauen alleine in Zügen unterwegs (welcher Mann lässt seine Frau schon alleine reisen?). Wenn sie es tut, zieht sie dementsprechend Aufmerksamkeit auf sich, denn es scheint etwas nicht in Ordnung zu sein mit ihr.

Ein anderer Grund, wieso es Mädchen schwer haben in Indien, ist die – gesetzlich abgeschaffte – Tradition der Mitgifte. Ein oder mehrere Mädchen können eine Familie in den Ruin treiben. (Hierbei wird auch klar, wo es Mitgift gibt, ist die arrangierte Hochzeit auch nicht weit. Arrangierte Hochzeiten sind der Normalfall, Liebeshochzeiten die Ausnahme.) Es gibt seit neuem ein Gesetz in Indien, welches die pränatale Geschlechtsbestimmung verbietet, denn es war (und ist?) verbreitet, Mädchen abzutreiben. Aus diesem Grund mangelt es Indien an Frauen, in armen Staaten sind nur 30 -40% der Neugeborenen Mädchen, 10 – 20% sind abgetrieben worden!

Als Westlerin hat man selbst eine Zwiespältige Position inne. Einerseits ist man aus dem Westen, was hohe Lebensqualität und so weiter verspricht. Andererseits haben weisse Frauen hier auch den Nachruf, einfache Frauen zu sein. Im Fernsehen sieht man ja, wie schnell wir Weissen miteinander ins Bett steigen. Und mehr und mehr mögen auch Inder sexy Werbung – wenn viel Haut gezeigt wird, ist das Modell aber meistens weiss. Und das wohl nicht nur, weil helle Haut als schöner eingestuft wird. Aus diesen Gründen, nehme ich an, passiert es, dass man auf offener Strasse begrabscht wird. Die unzähligen „Ma’am, what is your good name“ führen manchmal nicht nur zu einem Handshake (was mit einer indischen Frau nie gemacht würde – Körperkontakt zwischen Mann und Frau ist gleich Null!), sondern auch zu einem versuchten Kuss führt. Lästig. Man schwebt also als Westlerin in einer Position zwischen Bewundert und Verachtet werden…

Nicht nur Westlerinnen aber werden belästigt. Sexualität ist in Indien ein riesen Tabu, und brodelt heftig unter dem Deckel. Jede (!) NGO die ich gesehen habe, hat Programme über sexuelle Belästigung, wo den Männern versucht wird zu erklären, dass Frauen es nicht mögen, sexuell Belästigt zu werden. In indischem Stil bleibt es oft beim „eve teasing“, bei Sprüchen und Liedern, die den Frauen nachgerufen/-gesungen werden. Doch wenn Situationen nachgestellt werden, geht es um Situationen wie „Mukesh versucht im Bus immer möglichst nahe bei den Frauen zu stehen, um sie bei Gelegenheit zu berühren.“ Und dann wird das diskutiert. Mir wurde auch gesagt, dass einige Inderinnen Nadeln mit sich tragen, mit denen sie Männer stechen, die im Bus oder Zug zu nahe auf ihnen sitzen. Als ich jedoch bei einer Inderin nachgefragt habe, ob das wirklich stimme, hat sie gemeint, dass sie sich das nie getrauen würde.

Umweltbewusstsein

„Say no to plastic bags“, sagt ein Schild in Delhi’s Strassen. Immer und überall bekommt man Plastiksäcke – welche früher oder später auf der Strasse und in einem Kuhmagen landen. In den Bergen scheinen sie diesem Problem bewusst zu sein. In Darjeeling wird der Ladenbesitzer gebüsst, wenn er Plastiksäcke verteilt. Dasselbe gilt für Manali in den Himalayas. Es ist so zwar nicht der Fall, dass die Leute aus Umweltbewusstsein auf Plastik verzichten, aber immerhin, sie verzichten. „Plastic bags, mean Future in Rags“, sagt ein Schild in einem Laden in Darjeeling.

Autofahren in den Himalayas

Da sich meine letzten Reiseberichte sehr kurz gehalten haben, habe ich hier noch eine witzige Ergänzung. Auf dem Weg von Manali über den Rothang Pass – eine Art Gotthard Indiens: auf der einen Seite bewölkt und Monsunwetter, auf der anderen Seite Sonnenschein. Leider war ich unterwegs und habe es nicht geschafft, die Schilder aus dem fahrenden Bus oder Jeep zu fotografieren, so hab ich hier halt nur Text. Ich finde jedoch, die Schilder sagen viel über Land und Leute aus.

  • If you are married, please divorce speed.
  • Keep your eyes on the road, otherwise it will take you heavenly abode.
  • Drive slow, live long.
  • No hurry, no worry.
  • Better Mr. Late than Never.
  • Enjoy the scenery, protect the greenery.

im hohen Norden und tschuess again

Juli 29, 2008

Hier noch eine Kurzfassung von den Erlebnissen hier in Indien. Nach 18h Busfahrt von Delhi war ich ploetzlich in der Schweiz. Berge, Fluesse, Kanten und Ecken. Nur die Leute waren halt immer noch anders. Und den Namen Manali wuerde man auf der Schweizer Karte wohl auch vergeben suchen.. Aber die Leute waren in vielen Hinsichten anders – Touristenplatz.  Zur Abwechslung ist man nicht so aufgefallen, konnte ruhig in den Strassen gehen und wurde am Abend von Filmen, Konzerten, Bars und Parties unterhalten. Es war super erholsam.

Wie in der Schweiz bin ich dort auch wandern gegangen. 3 Tage mit einem Bergfuehrer-Koch und 2 Traegern (der eine mit Gummilatschen und einer grossen Metallkiste auf dem Ruecken, wo die ‘Kueche’drin war, der andere mit grossem Rucksack und Turnschuhen. Ich mit meinen Wanderschuhen – und war heilfroh um diese). Es ging hoch bis auf 4000m, wo wir zum Sieg ein Bad in einem heiligen See genommen haben, trotz Regen und Schnee um uns herum. Eindruecklich war, dass die Landschaft auch auf 3000m noch total gruen ist, mir aber dann doch ein bitzeli schwindlig geworden ist vom Hoehenunterschied. Get high in the mountains – jetzt weiss ich, was das eigentlich heissen soll. Man braucht nur schnellgenug in die Hoehe zu gehen und das High stellt sich gratis ein. :)

Die Wanderung war eine schoene Abwechslung vom sonstigen Indien, Natur pur, kein Gehupe, keine Leute, die irgendwas verkaufen wollen, kein Abfall. Kuehe, Pferde und Schafe hatte es immer noch, aber in einem erheblich besseren Zustand als man sie in Delhi sieht (logischerweise).

Als ich zurueck nach Manali kam, war auch Dani dort und wir haben uns zusammen in Manali unterhalten, bevor er weiter nach Dharmsala ging und ich weiter in den Norden nach Keylong, um noch die andere SEite des Tals zu sehen, wo der Monsun nicht hinkommt und alles viel felsiger ist. Ich war alleine dort, und das war gut so. Im Norden scheinen die Leute ein bisschen anders unterwegs zu sein als im restlichen Indien..

Danach gings wieder zurueck nach Manali und von dort per Bus nach Delhi und von dort per Bus nach Jaipur  – the pink city. War schoen, sehr heiss nach dem kuehlen Norden, indisch, aber witzig. Wir hatten lustige Begegnungen mit Riksha-fahrern und sonstigen gute Witze reissenden Indern. WIr waren am Anfang ganz verwirrt ob all diesen Spruechen. :) (Leider war es oft Situationskomik und drum schwer zu wiedergeben hier… ) Und immer wieder: you happy, me happy.

Jetzt habe ich noch meine letzten Tag in Delhi. Dani ist noch einmal vorbeigekommen, letzte Einkaeufe wurden getaetigt und die Nervositaet steigt langsam. Indien zu verlassen faellt mir nicht so schwer. Was ich vermissen werde ist das internationale Leben, das Essen, die Mangos, die Veloriksha-fahrten, das Chaos, manchmal vieleicht sogar das Feilschen. Was ich nicht vermissen werde ist das stetige nach dem Namen und Land gefragt werden, das Gehupe, das Ewige auf der Hut sein, die gespaltene Rolle als Frau und Auslaenderin, Leute, die nicht zuhoeren, was man gerade gesagt hat (in der Tat ein Problem in der Kommunikation mit vielen Indern)…

So geht es am Freitag in der Nacht los Richtung Moskau, wo ich fuer ein paar Tage bleibe, weil Freunde von meiner Russlandzeit heiraten. Bin ja gespannt, wie Russland nach Indien auf mich wirkt. Am 9. August fliege in die Schweiz ein – bis dann wird wohl auf dem Blog nicht mehr viel passieren.

Liebe Gruesse

Nina

Reisen

Juli 15, 2008

So, mein Praktikum ist fertig und ich bin gestern von meiner Reise nach Darjeeling und Varanasi zurueck. Darjeeling war wunderschoen, in den Bergen, kuehl, supernette Leute, richtig entspannend, richtig unindisch (die meisten Leute sind auch aus Tibet, Nepal oder eben Darjeeling, welches frueher zu Nepal gehoert hat). Wegen Monsun und politischen Spannungen (sie wollen unabhaengig werden) waren sehr wenig Touristen dort und viele Sachen viel billiger (tja, bei wenig Kundschaft sitzt man beim Feilschen am laengeren Hebel). Darjeeling kennen die meisten wahrscheinlich vom Tee her, der dort waechst – und ich als teeophile Person musste natuerlich die Teeplantagen und Fabrik sehen.

Varanasi, die Stadt, in die Hindus zum Sterben reisen, war auch eindruecklich. Wieder warm, aber auch hier Nebensaison und angenehme Leute. Die Leute im Sueden scheinen wirklich anders zu sein. Die Stadt mit ihren vielen kleinen engen Gassen hat mir sehr gefallen, auch wenn es die dreckigste und stinkigste Stadt ist, die ich je gesehen habe. (Um 5 Uhr frueh sind wir mit einem Boot auf dem Ganges gefahren und wollten dem Sonnenaufgang und den Leuten beim Baden zusehen. (Kein Sonnenaufgang, da bewoelkt, das Baden ist verrueckt, da das Wasser aufs Aergste verdreckt ist…) Danach sind wir zu Fuss durch die Strassen gelaufen, noch ohne Fruehstueck im Magen. Was sich so bald wie moeglich aendern wollte – diese Gerueche auf nuechternen Magen sind in der Tat schwer zu ertragen. Auch das eine Erfahrung, die ich noch nie gemacht habe vorher. Mit vollem Magen war dann alles wieder gut.

Jetzt muss ich aber los. Heute abend faehrt mein Bus in den Norden nach Manali, wieder in die Berge, wo die Leute anscheinend wieder freundlicher sind.

Praktikumsende

Juli 3, 2008

So, nun ist es so weit. Mein Praktikum ist vorbei. Ich bin darueber gar nicht so traurig, weil gemacht habe ich sehr wenig. Vieles habe ich mit Enthusiasmus angefangen – bis es dann doch wieder aus irgendeinem Grund gestrandet ist. Zum Beispiel, weil das Projekt, das ich haette dokumentieren sollen, bereits beendet worden ist, ich das aber erst gemerkt habe, als die Frageboegen nicht ausgefuellt werden konnten deswegen…

Aber ich geniesse im Moment die Zeit hier und tue wenig und plane mehr. Am Samstag kommt Dani nach Indien und am Dienstag geht es mit 2 Mitbewohnerinnen los nach Darjeeling, zum Teetrinken in der Hoehe. Weiter ist noch unklar, wo es hin gehen soll, Himalaya oder doch nicht? In den Sueden zu Sarah, Luzius und Co? Es wird sich zeigen..

Folgend noch ein paar Impressionen aus dem indischen Alltagsleben:

auf dem Bazaar

Folgende Situation: Ich suche ein T-Shirt und schlendere durch den Markt. Ich verlasse mich auf meine Augen und ignoriere die Rufe von links und rechts ‘Hello Ma;am, please come in! Hello!“ und steuere auf Orte mit T-Shirts zu. Dort zieht der Verkaeufer schnell eines der haesslichsten T-Shirts hervor und haelt es mir so unter die Nase, dass ich nichts mehr sehen kann. „No, no, I want to look by myself“ „Yes, yes. Do you like this?“, „no.“ So geht es weiter, bis ich etwas gefunden habe, das mir dann doch gefaellt oder bis es mir zu bunt wird und ich weitergehe. Kann manchmal muehsam sein, manchmal aber auch lustig, wenn man sich mit den Verkaeufern darueber lustig macht, wie doof man aussehen wuerde in diesem oder jenem.

hmm.. und ich hatte noch ein paar andere Anekdoten im Aermel… Aber es scheint, dass die mit dem Schweiss davon geflossen sind (kein Buero mehr tagsueber = keine Klimaanlage mehr = Schweiss = Sommergefuehl’.

Queer Pride, Nachtrag

Juli 3, 2008

In den Zeitungen steht, dass am Schluss 700 Leute mitgelaufen sind, ein riesen Erfolg! Auch steht, dass das Thema nun im Parlament (oder so) diskutiert wird. Wollen wir hoffen, dass dem so sein wird.

Und tatsaechlich: das Foto meiner Mitbewohnerin und einer Freundin ist gross in der Zeitung mit dem Kommentar „happy to be together’. (Was sie nicht sehr gefreut hat..) Und heute ist anscheinend dasselbe Bild noch einmal in derselben Zeitung (was sie noch ein bisschen weniger gefreut hat). :)

First Delhi Queer Pride

Juni 30, 2008

Dieses Wochenende ist leider der Ausflug zu den Kamasutra-Tempeln geplatzt, aber wir sind ja in Indien und da ist schnell Ersatz gefunden. Gestern war die erste Queer Pride in Delhi und das wollten wir natuerlich nicht verpassen. Sexualitaet ist hier ein solches Tabu und Homosexualitaet immer noch verboten. Da wollten wir doch auch dagegen protestieren und waren natuerlich gleichzeitig auch neugierig, wie die indische schwul-lesbische Szene daher kommt.

20 Minuten bevor sich der Umzug in Bewegung gesetzt hat, waren wir vor Ort – und umringt von einem grossen Polizeiaufgebot, da Gegendemonstrationen und Attacken befuerchtet wurden (was aber nicht passierte). Viele der bereit stehenden Demonstranten waren Auslaender (weil es zu frueh war oder weil sich die Inder nicht trauten?). Auf jeden Fall stuerzte sich die Presse trotzdem auf uns 5 Auslaender – Fotos, Interviews ohne Ende. Wieso sind wir gekommen? Wie sieht die Gesetzeslage in der Schweiz aus? Wieso unterstuetzen wir die schwul-lesbische Szene? Dieses Mal waren die Fotos aber fuer eine gute Sache und nicht einfach fuer ein weiteres Familienalbum und von dem her liessen wir es uns gefallen.

Kaum hat sich der Umzug in Bewegung gesetzt mit Musik, vielen vielen regenbogenfarbenen Faehnchen (die gratis verteilt wurden, wahrscheinlich von einer NGO) und froehlichen Menschen. Erstaunlich viele trugen auch Transparente und Schilder mit sich – z.T. auch vorfabriziert von einer NGO – sodass sich der Umzug blicken liess. Im vofeld haben wir uns nicht vorstellen koennen, wie eine Queerparade aussieht hier. Ausgefallene Menschen sucht man hier normalerweise wie eine Nadel im Heuhaufen. Und trotzdem umsonst. Hier konnte man aber eine handvoll Transvestiten in indischen Kleidern sehen, die wunderbar mit den fuer indische Frauen typischen Bewegungen zur indischen Musik getanzt haben. Haut hat man ganz nach indischer Tradition bei niemandem gesehen, einzelne hatten aber regenbogenfarbige Brillen, Struempfe oder Tuecher.

Nicht wenige Leute im Umzug waren maskiert, wollten ihr Gesicht nicht zeigen. Die Stigmatisierung ist zu gross und kann auf die ganze Familie abfaerben. Zudem ist Homosexualitaet nach wie vor illegal. Wichtig war aber, dass sie dort waren und Indien zeigte, dass es in Indien Homosexualitaet gibt, sie dazu stehen und dieselben Rechte haben sollten, wie alle anderen.

Ich habe mich allerdings auch gefragt, was wohl passiert, wenn eine Tochter aus einer armen Familie lesbisch ist und dies auch lebt – oder zumindest dazu steht. Im Normalfall sichert eine Hochzeit die Existenz der Tochter. Ich bezweifle aber, dass sich ein Ehemann fuer eine lesbische Tochter finden laesst. In der Stadt laesst sich wohl eine Loesung finden, die Tochter findet sich einen Job und versorgt sich selbst. Auf dem Land wuerde sie wohl verstossen, im schlimmsten Fall umgebracht und das Ueberleben der ganzen Familie waere gefaehrdet. Nicht, dass das eine Rechtfertigung fuer die masslose Diskriminierung von Schwulen und Lesben waere, aber dies zeigt auf, wie weit das Land noch zu gehen hat, bis auch in dieser Hinsicht mehr Gleichheit herrscht. Gestern wollten wir das Unsere dazu beitragen, dass sich Indien in Richtung Gleichberechtigung (oder zumindest hoehere Akzeptanz und Legalisierung) bewegt. Und wir hatten unseren Spass dabei. :) Bis jetzt war dieser Umzug einer der froehlichsten und lustigsten indischen Anlaesse.

lost mobile

Mai 26, 2008

wer immer meine indische Natelnummer hatte: im Moment ist sie ungueltig und vielleicht bleibt sie das. Ich habe mein Natel verloren (ich glaube, es ist mir in der Riksha auf dem Weg zum Bahnhof aus dem Rucksack gefallen. Wenn nicht, wurde es gestohlen. Was aber im Endeffekt keine Rolle spielt).

Blitzgruss

Nina

Monsun Vorgeschmack

Mai 23, 2008

 

Die letzten drei Tage hatten wir einen Vorgeschmack auf den Monsun! Es sollte noch mindestens einen Monat dauern, bis  der Monsun einsetzt, aber bereits sind die Strassen unter Wasser, und die Temperaturen sind von 38 auf unter 20 gefallen. Nass und kuehl, wie in der Schweiz.

 

 

Natuerlich regnete es zum ersten Mal, als ich zur Arbeit wollte. Ich habe gerade einem Auto-Rikshafahrer gesagt, er koenne ohne mich weiter bei diesem Preis – und wusch hat es zu regnen angefangen. Mit vielen anderen Indern habe ich an der Bushaltestelle Schutz vor dem Regen gesucht. Aber da das Dach Loecher hat, war das Unternehmen nur halb wirksam.

 

Na ja, auf jeden Fall hat es 3 Tage hintereinander am Morgen geregnet, keine leeren Autorikschas waren zu finden, somit keine Moeglichkeit, zur Arbeit zu gehen. Na ja, man ist in Indien und findet das nicht so tragisch. Man wird weiser und wartet am naechsten Morgen zu Hause im Trockenen, bis der Regen nachlaesst, die Rush-hour durch ist oder man den Willen hat, in den Regen zu gehen (zum Glueck habe ich einen Schweizer Regenschirm als Mitbringsel eingepackt! Der hat schon seine besten Dienste erwiesen, auch wenn es sich komisch anfuehlt, mit einem roten Regenschirm mit weissen Kreuzen drauf um die Seen auf der Strasse zu taenzeln).

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Unglaublich. Ich trage geschlossene Schuhe und ein Halstuch (bei mir in der Wohnung sind alle noch erkaeltet von dem ewigen Wechsel zwischen Klimaanlage und Hitze auf der Strasse… Zudem soll man nie zu frueh sagen, man sei topgesund. Wir haben auch grad ein epidemisches Magenunwohlsein in verschiedensten Graden in der Wohnung. Seit 3 Tagen essen alle meine schweizer Magenmedikamente und Reis ohne Sauce – ich inbegriffen.)

 

Aber wie dem auch sei. An unserem ‘girls evening’ in einem Café (wo wir die Bedienung gebeten haben, die Klimaanlage doch bitte auszuschalten, weil wir alle nass waren und es draussen ja eh kalt war) haben wir mit Genuss warmen Tee getrunken. Die Rueckfahrt durch die grossen Wassermassen auf der Strasse war eindruecklich, Jennifer hat ein Video davon gemacht, vielleicht ist das bald einmal online zu sehen.

 

So, und nun zurueck an die Arbeit

 

Liebe Gruesse,

Nina

Alltagsblabla, 16.5.08

Mai 16, 2008

Hallo zusammen!

 

Hier ein neuer meiner, mit indischer Regelmaessigkeit erscheinenden, weekly reports. Heute geschrieben zur Beschaeftigungstherapie aus meinem Buero.

Beginnen wir doch gleich hier:

 

Arbeit

 

Die Antwort, ob mir mein Prakti gefaellt, aendert sich stuendlich. Manchmal scheint alles vowaerts zu gehen und ich habe tausend Plaene im Kopf, was ich denn alles wie machen werde. Eine Stunde spaeter sind die Plaene wieder am Boden (wegen mangelnden Hindi-Kenntnissen, geaenderten Prioritaeten in meinem Aufgabenbereich oder weil nun ein anderes Projekt ploetzlich vorwaerts geht.). Vorgestern war alles top und heute ist flaute. Und meine Chefin an einer Konferenz. Aber ich habe jetzt Internet und so ist fuer Unterhaltung gesorgt.

 

Stromausfaelle II

 

Ich habe in einem der letzten Berichte ueber Stromausfaelle berichtet. Tage spaeter sah ich in der Zeitung, dass es in einem anderen Stadtteil von Delhi Aufstaende gegeben hat, weil die Stromversorgung jede Nacht fuer mehrere Stunden unterbrochen war und die Leute wegen der Hitze nicht mehr schlafen konnten (Strom weg = Ventilator steht still = Schweissausbruch). Seither hat sich die Situation drastisch gebessert. Ob das am Aufstand oder an den tieferen Temperaturen liegt, weiss ich nicht. Wir haben in unserer Wohnun einen Cooler installiert bekommen. Das ist ein RIESENkasten auf dem Balkon, der seiner Groesse entsprechend Laerm macht. Nun koennen wir waehlen – Hitze oder Laerm. Wir haben uns gestern darauf geeinigt, den Cooler am Abend einzuschalten um die Wohnung zu runterzukuehlen, und dann in der Nacht mit dem Ventilator zu schlafen. Ich hatte einen tiefen, gesunden Schlaf.

 

Gesundheit

 

Manche Fragen mich, wie es denn so mit Durchfall und so aussieht. Bis jetzt strotze ich vor Gesundheit. In der Zeit, in der die Temperaturen angestiegen sind, haben die Koerper meiner MitbewohnerInnen mit den Aussentemperaturen mitgezogen. 39 Grad inside temperature, 45 outside temperature. Ich bin nicht boese, dass mein Koerper bei 36,7 inside Temp geblieben ist.

 

worldpress ;)

 

Eigentlich wollte ich in diesem Bericht ueber eine Zeitung schreiben, welche immer auf den ersten zwei Seiten den Verkehr von Delhi zum Thema hat. Jeden Tag. Und manchmal auch super Illustrationen dazu. Doch als ich die Illustrationen herausreissen wollte, war ich zu spaet. Zuerst war ChinaChinaFamilieaufsLand fliehen konnte und dort die naechsten 2 Monate verbringen wird, weil waehrend dieser Zeit Nachbeben erwartet werden. Komisch, sich vorstellen zu muessen, dass 60% der Stadt, in der man wohnt, nun ein Truemmerhaufen ist. Wenigstens kann bei einem Erdbeben niemand etwas dafuer. hat in meiner Wohnung ein kleines emotionales Beben ausgeloest: Einer meiner Mitbewohner kommt aus dieser Region. Da alle Verbindungen in der Region gegen aussen abgebrochen waren, wussten wir nicht, ob er demnaechst nach Hause fliegen wuerde. Jetzt wissen wir, dass seine an der Reihe, einen Tag spaeter, ein Anschlag in Jaipur, eine Stadt in Rajastan. Das Erdbeben in

 

Trainee-Leben

 

Sonst lebe ich hier mein Leben, war auf einer Abschieds- und Geburtstagsparty eines Amerikaners und habe mich gefuehlt, wie an einer Party, die man sonst von Filmen her kennt. Im Garten mit Bar und DJ. Niemand wusste, wo die Party genau war, weil sie im Garten eines seiner Freunde war. So sind wir eine Autorikscha ueberfuellt und sind losgefahren – und nach 1,5h holpriger Irrfahrt in einem Luxus-Aussenquartier gelandet. Von Indien direkt nach Amerika. So klein ist die Welt.

 

So, jetzt warte ich noch auf die Frau, die den Chai bringt und dann gehe ich nach Hause und packe meine Sachen, fuer unseren Wochenendausflug nach Udaipur.

 

Liebe Gruesse,

Nina

 

PS: Alle die auf Fotos warten: Schnelles Internet ist noch zu erfinden hier. Und da ich selten lange im Netz bin, muss ich euch wahrscheinlich auf den August vertroesten.

 

 

Desert experience,7.5.08

Mai 11, 2008

Es ist unglaublich hier, das Lebensgefühl in Delhi ändert sich von Woche zu Woche um 90 Grad (180 wäre zu viel gesagt). Die erste Woche war ankommen und herausfinden, was wie läuft, die zweite Woche war Temperaturanstieg und damit verbunden Unbehagen in der sehr kleinen und überfüllten, ungekühlten Wohnung. Mittlerweile habe ich mich an die Hitze ( 43 – 45 Grad) gewöhnt, was die Wohnung auch wieder erträglicher macht. Seit zwei Tagen sind die Temperaturen wieder tiefer – wahrscheinlich immer noch über 38 Grad, aber das ist im vergleich zu vorher kühl. Und es ist windig geworden, so richtig. Ich bin gespannt, was das Wetter sonst noch so bereit hält für mich hier. J

Und wenn ich schon mal in einem Land mit Wüste bin, wollte ich diese auch sehen. Und ich dachte, dass es heisser als in Delhi ja fast nicht sein kann und so bin ich mit meinen zwei Mitbewohnerinnen aus Holland 19 Stunden im Zug Richtung Jaisalmer in Rajastan aufgebrochen. Ich freute mich auf die Zugfahrt und die Wüste. Die Zugfahrt war am Anfang aber eher eine Herausforderung: Die Züge sind ein bisschen wie die russischen, die Abteile sind offen, also nicht durch eine Tür geschlossen und vis-ä-vis von jedem Abteil sind noch mal zwei Betten übereinander. Und weil in Indien einiges mehr an Leute wohnen, sind hier auch statt zwei Betten in den Abteilen, 3 übereinander. Fährt man aber zu Stosszeiten von Delhi weg, findet man sich mit mindestens 15 Indern zusammengequetscht auf einer Bank sitzend wieder. Sind irgendwo zwei Zentimeter frei, kommt jemand und quetscht sein Füdli rein. Das natürlich nur in der tieferen Preisklasse ohne Klimaanlage, sodass uns der Schweiss in Bächen runtergelaufen ist. Nicht zu sprechen vom eher unangenehmen Gefühl, von neugierig glotzenden Indern umringt zu sein, welche alle wissen wollen, wie man heisst, woher man kommt und ob man Indien mag.

Nach zwei Stunden war der Spuk – d.h. die Vororte, wo die Leute hinwollten – vorbei und wir konnten uns zu 6 auf den zwei Sitzbänken *ausbreiten“. Die Fahrt ging gemütlich weiter, im Zug verkauften sie ein super feines Essen (alles, was ich bis jetzt gegessen habe, war yummi, und die Schärfe scheint mir hier nichts auszumachen…).

Nach einem guten Schüttelzugschlaf sind wir in der antiken Wüstenstadt angekommen und die Rikshafahrer haben wollten uns, kaum stand der Zug still, vom Perron durchs Zugfenster hineinrufend in ihre Riksha lotsen. Wir waren aber gewarnt, dass das so sein wird und dass einem auch im Zug drin schon allerlei Touren und Hotels angedreht werden. So dass wir einfach stur auf unserem Geusthouse aus dem Lonelyplanet beharrten. (Was aber schlussendlich nicht die beste Wahl war. Aber die Geschichte würde länger ausfallen.)

Jaisalmer ist eine wunderschöne antike Wüstenstadt, welche aber durch die grosse Besucherzahl und dem damit verbundenen steigenden Wasserverbrauch bedroht ist. Schöne alte Häuser und während der Hochsaison wahrscheinlich unglaublich viele Touris. Im Sommer ist es aber zu warm, in ein paar Wochen wird wohl die Hälfte der Restaurants geschlossen sein. Auch die Kamelsafaris werden bald pausieren.

Oh ja, die Kamelsafari ist in dieser Stadt fast ein Muss. Zu dritt mit einem Camelman unterwegs, ritten wir früh um 9 los, den Windmühlen entgegen. (Eigentlich ist es eine gute Sache, dass sie so viele Windmühlen aufstellen, es war windig genug, für das Touristenauge ist es aber nicht unbedingt das Gesuchte…). Um 12 machten wir dann im Schatten eines Baumes Rast, und unser Camel man, Mr Khan, kochte für uns ein gutes (ein bisschen verwestliches) Mittagessen. Danach hätten wir eine Siesta machen sollen, bis die Temperaturen das Weiterreiten ermöglichen. Nur zu dumm, dass uns ein Bienenschwarm entdeckt hat, und an Schlaf nicht mehr zu denken war.

Um 3 ging es weiter im Kamelschritttempo, dieses Mal mit einem Kamel mehr in der Karawane. In einem nahen Dorf ist ein Kamelmännchen abgehauen, weil es ein Kamelweibchen erspäht hat. Unser Camel man hat das Kamel erkannt, gefangen und festgebunden. Und ca. 20 Minuten später tauchte ein beturbanter Mensch auf, der sein Kamel holen gekommen ist. Er ist ganz simpel den Fussspuren seines Kamels gefolgt. Und es ist nicht etwa so, dass sein Kamel das einzige ist. Auch unser camel man hat uns gesagt, dass er seine Kamele an ihren Fussspuren erkenne. Verblüffend! Zum Dank, dass Mr. Khan das Kamel eingefangen hat, wurden wir im Dorf auf einen Chai eingeladen und konnten bei dieser Gelegenheit auch ein kühles Pepsi trinken (das Wasser, das wir mitgenommen haben, war unterdessen heiss! Das ist etwa derselbe Kontrast, wie das Wasser in Russland auf dem Heimweg gefroren ist… einfach ins andere Extrem).

Danach haben wir eine Sanddüne erreicht – Wüste pur, keine Pflanze, nix. Genau so, wie sie im Buch aussieht. Ich war ganz aus dem Häusschen, sodass wir, kaum vom Kamel gestiegen, ein paar grosse Sprünge im Sand gemacht haben. J

Den schönen Sonnenuntergang und atembberaubenden Sternenhimmel haben wir leider nicht gesehen, weil es durch den starken Wind (welcher die Temperaturen in erträglichem Mass hielten) zu viel Sand aufgewirbelt wurde, sodass nicht viel zu sehen war. Mehr zu sehen gab es am nächsten Morgen, da wir unter freiem Himmel bei Wind in der Wüste geschlafen haben. Wir sind alle mit sandüberdecktem Gesicht aufgewacht und haben uns gegenseitig ausgelacht.

Mr Khan hat in der Zwischenzeit schon wieder für uns gekocht und camel man Sprüche zum besten gegeben: „no chapati, no chai, no woman no cry“. Oder wer den Song „barbie girl“ von Aqua kennt: „ I am a camel man, in the desert land…“

Und um eure Ausdauer nicht zu überstrapazieren alles weitere in Kurzfassung: Rückkehr nach Jaisalmer, Gang zum Bahnhof, feststellen, dass die Tickets dummerweise erst für den nächsten Tag gültig sind und wir einen Tag länger bleiben müssen (und unfreiwillig blau machen), Suche nach neuer Unterkunft – Swimmingpool Nachmittag in der Wüste – Sunsetpoint-going ohne sunset (aus oben genannten Gründen) – Besuch des Desertmuseums mit wunderbarem, alten Geschichtslehrer als Führer, der viel von seinem eigenen Leben erzählte und Fotos von einer Hochzeit zeigte, die er organisiert hat für ein kolumbianisches Paar, welche in seinem Museum eine traditionelle Hochzeit feiern wollten – zweiter Versuch, den Zug zu nehmen glückt – Rückfahrt in höherer Preisklasse mit air conditioner – Frieren im Zug, weil die AC so extrem unglaublich kalt eingestellt ist (langes Shirt, Faserpelz, Kopftuch, Socken, Wolldecke) – Ankommen in Delhi – Duschen – Arbeit – Kino mit den anderen Trainees (the iron man, bullshitmovie mit Unterhaltungswert, aber das Ganze war ein Erlebnis. Im Kino war es überhaupt nicht indisch, hätte in der Schweiz sein können, hätten die Leute nicht telefoniert während dem Film) – Schlafen und schon ist es heute. Und schon ist es spät. Drum mache ich hier einen Schlusspunkt und hoffe, dass ich die Berichte bald mal hochladen kann…