Dieses Wochenende ist leider der Ausflug zu den Kamasutra-Tempeln geplatzt, aber wir sind ja in Indien und da ist schnell Ersatz gefunden. Gestern war die erste Queer Pride in Delhi und das wollten wir natuerlich nicht verpassen. Sexualitaet ist hier ein solches Tabu und Homosexualitaet immer noch verboten. Da wollten wir doch auch dagegen protestieren und waren natuerlich gleichzeitig auch neugierig, wie die indische schwul-lesbische Szene daher kommt.
20 Minuten bevor sich der Umzug in Bewegung gesetzt hat, waren wir vor Ort – und umringt von einem grossen Polizeiaufgebot, da Gegendemonstrationen und Attacken befuerchtet wurden (was aber nicht passierte). Viele der bereit stehenden Demonstranten waren Auslaender (weil es zu frueh war oder weil sich die Inder nicht trauten?). Auf jeden Fall stuerzte sich die Presse trotzdem auf uns 5 Auslaender – Fotos, Interviews ohne Ende. Wieso sind wir gekommen? Wie sieht die Gesetzeslage in der Schweiz aus? Wieso unterstuetzen wir die schwul-lesbische Szene? Dieses Mal waren die Fotos aber fuer eine gute Sache und nicht einfach fuer ein weiteres Familienalbum und von dem her liessen wir es uns gefallen.
Kaum hat sich der Umzug in Bewegung gesetzt mit Musik, vielen vielen regenbogenfarbenen Faehnchen (die gratis verteilt wurden, wahrscheinlich von einer NGO) und froehlichen Menschen. Erstaunlich viele trugen auch Transparente und Schilder mit sich – z.T. auch vorfabriziert von einer NGO – sodass sich der Umzug blicken liess. Im vofeld haben wir uns nicht vorstellen koennen, wie eine Queerparade aussieht hier. Ausgefallene Menschen sucht man hier normalerweise wie eine Nadel im Heuhaufen. Und trotzdem umsonst. Hier konnte man aber eine handvoll Transvestiten in indischen Kleidern sehen, die wunderbar mit den fuer indische Frauen typischen Bewegungen zur indischen Musik getanzt haben. Haut hat man ganz nach indischer Tradition bei niemandem gesehen, einzelne hatten aber regenbogenfarbige Brillen, Struempfe oder Tuecher.
Nicht wenige Leute im Umzug waren maskiert, wollten ihr Gesicht nicht zeigen. Die Stigmatisierung ist zu gross und kann auf die ganze Familie abfaerben. Zudem ist Homosexualitaet nach wie vor illegal. Wichtig war aber, dass sie dort waren und Indien zeigte, dass es in Indien Homosexualitaet gibt, sie dazu stehen und dieselben Rechte haben sollten, wie alle anderen.
Ich habe mich allerdings auch gefragt, was wohl passiert, wenn eine Tochter aus einer armen Familie lesbisch ist und dies auch lebt – oder zumindest dazu steht. Im Normalfall sichert eine Hochzeit die Existenz der Tochter. Ich bezweifle aber, dass sich ein Ehemann fuer eine lesbische Tochter finden laesst. In der Stadt laesst sich wohl eine Loesung finden, die Tochter findet sich einen Job und versorgt sich selbst. Auf dem Land wuerde sie wohl verstossen, im schlimmsten Fall umgebracht und das Ueberleben der ganzen Familie waere gefaehrdet. Nicht, dass das eine Rechtfertigung fuer die masslose Diskriminierung von Schwulen und Lesben waere, aber dies zeigt auf, wie weit das Land noch zu gehen hat, bis auch in dieser Hinsicht mehr Gleichheit herrscht. Gestern wollten wir das Unsere dazu beitragen, dass sich Indien in Richtung Gleichberechtigung (oder zumindest hoehere Akzeptanz und Legalisierung) bewegt. Und wir hatten unseren Spass dabei.
Bis jetzt war dieser Umzug einer der froehlichsten und lustigsten indischen Anlaesse.
Juni 30, 2008 um 2:00
AUFSTIEG UND FALL DER SENF-MAYO-KETCHUP-IDIOTEN
Hab’ mich wiedermal auf deinen Blog verirrt und muss sagen: Interessant! Super find’ ich, dass du das konsequent weiterziehst…shampoo!!! Und man erfährt so einiges übers Land und das Leben. Für mich eine gute Einstimmung auf meinen eigenen Indien-Trip ab Ende Juni…Ja, mir ist jetz leider der Senf ausgegangen. Und ich will ja nicht wie blöd auf der Tube rumdrücken. Drum alles Gute weiterhin. Peace