Desert experience,7.5.08
Es ist unglaublich hier, das Lebensgefühl in Delhi ändert sich von Woche zu Woche um 90 Grad (180 wäre zu viel gesagt). Die erste Woche war ankommen und herausfinden, was wie läuft, die zweite Woche war Temperaturanstieg und damit verbunden Unbehagen in der sehr kleinen und überfüllten, ungekühlten Wohnung. Mittlerweile habe ich mich an die Hitze ( 43 – 45 Grad) gewöhnt, was die Wohnung auch wieder erträglicher macht. Seit zwei Tagen sind die Temperaturen wieder tiefer – wahrscheinlich immer noch über 38 Grad, aber das ist im vergleich zu vorher kühl. Und es ist windig geworden, so richtig. Ich bin gespannt, was das Wetter sonst noch so bereit hält für mich hier. J
Und wenn ich schon mal in einem Land mit Wüste bin, wollte ich diese auch sehen. Und ich dachte, dass es heisser als in Delhi ja fast nicht sein kann und so bin ich mit meinen zwei Mitbewohnerinnen aus Holland 19 Stunden im Zug Richtung Jaisalmer in Rajastan aufgebrochen. Ich freute mich auf die Zugfahrt und die Wüste. Die Zugfahrt war am Anfang aber eher eine Herausforderung: Die Züge sind ein bisschen wie die russischen, die Abteile sind offen, also nicht durch eine Tür geschlossen und vis-ä-vis von jedem Abteil sind noch mal zwei Betten übereinander. Und weil in Indien einiges mehr an Leute wohnen, sind hier auch statt zwei Betten in den Abteilen, 3 übereinander. Fährt man aber zu Stosszeiten von Delhi weg, findet man sich mit mindestens 15 Indern zusammengequetscht auf einer Bank sitzend wieder. Sind irgendwo zwei Zentimeter frei, kommt jemand und quetscht sein Füdli rein. Das natürlich nur in der tieferen Preisklasse ohne Klimaanlage, sodass uns der Schweiss in Bächen runtergelaufen ist. Nicht zu sprechen vom eher unangenehmen Gefühl, von neugierig glotzenden Indern umringt zu sein, welche alle wissen wollen, wie man heisst, woher man kommt und ob man Indien mag.
Nach zwei Stunden war der Spuk – d.h. die Vororte, wo die Leute hinwollten – vorbei und wir konnten uns zu 6 auf den zwei Sitzbänken *ausbreiten“. Die Fahrt ging gemütlich weiter, im Zug verkauften sie ein super feines Essen (alles, was ich bis jetzt gegessen habe, war yummi, und die Schärfe scheint mir hier nichts auszumachen…).
Nach einem guten Schüttelzugschlaf sind wir in der antiken Wüstenstadt angekommen und die Rikshafahrer haben wollten uns, kaum stand der Zug still, vom Perron durchs Zugfenster hineinrufend in ihre Riksha lotsen. Wir waren aber gewarnt, dass das so sein wird und dass einem auch im Zug drin schon allerlei Touren und Hotels angedreht werden. So dass wir einfach stur auf unserem Geusthouse aus dem Lonelyplanet beharrten. (Was aber schlussendlich nicht die beste Wahl war. Aber die Geschichte würde länger ausfallen.)
Jaisalmer ist eine wunderschöne antike Wüstenstadt, welche aber durch die grosse Besucherzahl und dem damit verbundenen steigenden Wasserverbrauch bedroht ist. Schöne alte Häuser und während der Hochsaison wahrscheinlich unglaublich viele Touris. Im Sommer ist es aber zu warm, in ein paar Wochen wird wohl die Hälfte der Restaurants geschlossen sein. Auch die Kamelsafaris werden bald pausieren.
Oh ja, die Kamelsafari ist in dieser Stadt fast ein Muss. Zu dritt mit einem Camelman unterwegs, ritten wir früh um 9 los, den Windmühlen entgegen. (Eigentlich ist es eine gute Sache, dass sie so viele Windmühlen aufstellen, es war windig genug, für das Touristenauge ist es aber nicht unbedingt das Gesuchte…). Um 12 machten wir dann im Schatten eines Baumes Rast, und unser Camel man, Mr Khan, kochte für uns ein gutes (ein bisschen verwestliches) Mittagessen. Danach hätten wir eine Siesta machen sollen, bis die Temperaturen das Weiterreiten ermöglichen. Nur zu dumm, dass uns ein Bienenschwarm entdeckt hat, und an Schlaf nicht mehr zu denken war.
Um 3 ging es weiter im Kamelschritttempo, dieses Mal mit einem Kamel mehr in der Karawane. In einem nahen Dorf ist ein Kamelmännchen abgehauen, weil es ein Kamelweibchen erspäht hat. Unser Camel man hat das Kamel erkannt, gefangen und festgebunden. Und ca. 20 Minuten später tauchte ein beturbanter Mensch auf, der sein Kamel holen gekommen ist. Er ist ganz simpel den Fussspuren seines Kamels gefolgt. Und es ist nicht etwa so, dass sein Kamel das einzige ist. Auch unser camel man hat uns gesagt, dass er seine Kamele an ihren Fussspuren erkenne. Verblüffend! Zum Dank, dass Mr. Khan das Kamel eingefangen hat, wurden wir im Dorf auf einen Chai eingeladen und konnten bei dieser Gelegenheit auch ein kühles Pepsi trinken (das Wasser, das wir mitgenommen haben, war unterdessen heiss! Das ist etwa derselbe Kontrast, wie das Wasser in Russland auf dem Heimweg gefroren ist… einfach ins andere Extrem).
Danach haben wir eine Sanddüne erreicht – Wüste pur, keine Pflanze, nix. Genau so, wie sie im Buch aussieht. Ich war ganz aus dem Häusschen, sodass wir, kaum vom Kamel gestiegen, ein paar grosse Sprünge im Sand gemacht haben. J
Den schönen Sonnenuntergang und atembberaubenden Sternenhimmel haben wir leider nicht gesehen, weil es durch den starken Wind (welcher die Temperaturen in erträglichem Mass hielten) zu viel Sand aufgewirbelt wurde, sodass nicht viel zu sehen war. Mehr zu sehen gab es am nächsten Morgen, da wir unter freiem Himmel bei Wind in der Wüste geschlafen haben. Wir sind alle mit sandüberdecktem Gesicht aufgewacht und haben uns gegenseitig ausgelacht.
Mr Khan hat in der Zwischenzeit schon wieder für uns gekocht und camel man Sprüche zum besten gegeben: „no chapati, no chai, no woman no cry“. Oder wer den Song „barbie girl“ von Aqua kennt: „ I am a camel man, in the desert land…“
Und um eure Ausdauer nicht zu überstrapazieren alles weitere in Kurzfassung: Rückkehr nach Jaisalmer, Gang zum Bahnhof, feststellen, dass die Tickets dummerweise erst für den nächsten Tag gültig sind und wir einen Tag länger bleiben müssen (und unfreiwillig blau machen), Suche nach neuer Unterkunft - Swimmingpool Nachmittag in der Wüste - Sunsetpoint-going ohne sunset (aus oben genannten Gründen) - Besuch des Desertmuseums mit wunderbarem, alten Geschichtslehrer als Führer, der viel von seinem eigenen Leben erzählte und Fotos von einer Hochzeit zeigte, die er organisiert hat für ein kolumbianisches Paar, welche in seinem Museum eine traditionelle Hochzeit feiern wollten – zweiter Versuch, den Zug zu nehmen glückt – Rückfahrt in höherer Preisklasse mit air conditioner – Frieren im Zug, weil die AC so extrem unglaublich kalt eingestellt ist (langes Shirt, Faserpelz, Kopftuch, Socken, Wolldecke) – Ankommen in Delhi – Duschen – Arbeit – Kino mit den anderen Trainees (the iron man, bullshitmovie mit Unterhaltungswert, aber das Ganze war ein Erlebnis. Im Kino war es überhaupt nicht indisch, hätte in der Schweiz sein können, hätten die Leute nicht telefoniert während dem Film) – Schlafen und schon ist es heute. Und schon ist es spät. Drum mache ich hier einen Schlusspunkt und hoffe, dass ich die Berichte bald mal hochladen kann…
Mai 12, 2008 um 6:40 Uhr nachmittags
ooooohhhh, so toll, von dir so vieles zu lesen!! aber ehrlich, beneiden tu ich dich trotz wüstentouren und allem spannenden nicht… ich schmore hier die letzen tage im mittlerweile verhassten marokkko. wir wollen abfahren, können aber noch nicht, da der geldtransfer oder die bank oder weiss der teufel was nicht geklappt hat… so ein käse… aber bald gibts wieder käse und schweizer schoggi
ich ess dann für dich mit! und du wirst mir grüselig fehlen, wenn ich wieder in fribi bin, fribi ohne die nina, das ist ja wie weihnachten ohne schnee!
also, freu mich weiterhin von dir zu hören, ganz dicks kussi und zur abwechslung etwas marokkanische luft, mirjam