Archiv für Mai 2008

lost mobile

Mai 26, 2008

wer immer meine indische Natelnummer hatte: im Moment ist sie ungueltig und vielleicht bleibt sie das. Ich habe mein Natel verloren (ich glaube, es ist mir in der Riksha auf dem Weg zum Bahnhof aus dem Rucksack gefallen. Wenn nicht, wurde es gestohlen. Was aber im Endeffekt keine Rolle spielt).

Blitzgruss

Nina

Monsun Vorgeschmack

Mai 23, 2008

 

Die letzten drei Tage hatten wir einen Vorgeschmack auf den Monsun! Es sollte noch mindestens einen Monat dauern, bis  der Monsun einsetzt, aber bereits sind die Strassen unter Wasser, und die Temperaturen sind von 38 auf unter 20 gefallen. Nass und kuehl, wie in der Schweiz.

 

 

Natuerlich regnete es zum ersten Mal, als ich zur Arbeit wollte. Ich habe gerade einem Auto-Rikshafahrer gesagt, er koenne ohne mich weiter bei diesem Preis – und wusch hat es zu regnen angefangen. Mit vielen anderen Indern habe ich an der Bushaltestelle Schutz vor dem Regen gesucht. Aber da das Dach Loecher hat, war das Unternehmen nur halb wirksam.

 

Na ja, auf jeden Fall hat es 3 Tage hintereinander am Morgen geregnet, keine leeren Autorikschas waren zu finden, somit keine Moeglichkeit, zur Arbeit zu gehen. Na ja, man ist in Indien und findet das nicht so tragisch. Man wird weiser und wartet am naechsten Morgen zu Hause im Trockenen, bis der Regen nachlaesst, die Rush-hour durch ist oder man den Willen hat, in den Regen zu gehen (zum Glueck habe ich einen Schweizer Regenschirm als Mitbringsel eingepackt! Der hat schon seine besten Dienste erwiesen, auch wenn es sich komisch anfuehlt, mit einem roten Regenschirm mit weissen Kreuzen drauf um die Seen auf der Strasse zu taenzeln).

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Unglaublich. Ich trage geschlossene Schuhe und ein Halstuch (bei mir in der Wohnung sind alle noch erkaeltet von dem ewigen Wechsel zwischen Klimaanlage und Hitze auf der Strasse… Zudem soll man nie zu frueh sagen, man sei topgesund. Wir haben auch grad ein epidemisches Magenunwohlsein in verschiedensten Graden in der Wohnung. Seit 3 Tagen essen alle meine schweizer Magenmedikamente und Reis ohne Sauce – ich inbegriffen.)

 

Aber wie dem auch sei. An unserem ‘girls evening’ in einem Café (wo wir die Bedienung gebeten haben, die Klimaanlage doch bitte auszuschalten, weil wir alle nass waren und es draussen ja eh kalt war) haben wir mit Genuss warmen Tee getrunken. Die Rueckfahrt durch die grossen Wassermassen auf der Strasse war eindruecklich, Jennifer hat ein Video davon gemacht, vielleicht ist das bald einmal online zu sehen.

 

So, und nun zurueck an die Arbeit

 

Liebe Gruesse,

Nina

Alltagsblabla, 16.5.08

Mai 16, 2008

Hallo zusammen!

 

Hier ein neuer meiner, mit indischer Regelmaessigkeit erscheinenden, weekly reports. Heute geschrieben zur Beschaeftigungstherapie aus meinem Buero.

Beginnen wir doch gleich hier:

 

Arbeit

 

Die Antwort, ob mir mein Prakti gefaellt, aendert sich stuendlich. Manchmal scheint alles vowaerts zu gehen und ich habe tausend Plaene im Kopf, was ich denn alles wie machen werde. Eine Stunde spaeter sind die Plaene wieder am Boden (wegen mangelnden Hindi-Kenntnissen, geaenderten Prioritaeten in meinem Aufgabenbereich oder weil nun ein anderes Projekt ploetzlich vorwaerts geht.). Vorgestern war alles top und heute ist flaute. Und meine Chefin an einer Konferenz. Aber ich habe jetzt Internet und so ist fuer Unterhaltung gesorgt.

 

Stromausfaelle II

 

Ich habe in einem der letzten Berichte ueber Stromausfaelle berichtet. Tage spaeter sah ich in der Zeitung, dass es in einem anderen Stadtteil von Delhi Aufstaende gegeben hat, weil die Stromversorgung jede Nacht fuer mehrere Stunden unterbrochen war und die Leute wegen der Hitze nicht mehr schlafen konnten (Strom weg = Ventilator steht still = Schweissausbruch). Seither hat sich die Situation drastisch gebessert. Ob das am Aufstand oder an den tieferen Temperaturen liegt, weiss ich nicht. Wir haben in unserer Wohnun einen Cooler installiert bekommen. Das ist ein RIESENkasten auf dem Balkon, der seiner Groesse entsprechend Laerm macht. Nun koennen wir waehlen – Hitze oder Laerm. Wir haben uns gestern darauf geeinigt, den Cooler am Abend einzuschalten um die Wohnung zu runterzukuehlen, und dann in der Nacht mit dem Ventilator zu schlafen. Ich hatte einen tiefen, gesunden Schlaf.

 

Gesundheit

 

Manche Fragen mich, wie es denn so mit Durchfall und so aussieht. Bis jetzt strotze ich vor Gesundheit. In der Zeit, in der die Temperaturen angestiegen sind, haben die Koerper meiner MitbewohnerInnen mit den Aussentemperaturen mitgezogen. 39 Grad inside temperature, 45 outside temperature. Ich bin nicht boese, dass mein Koerper bei 36,7 inside Temp geblieben ist.

 

worldpress ;)

 

Eigentlich wollte ich in diesem Bericht ueber eine Zeitung schreiben, welche immer auf den ersten zwei Seiten den Verkehr von Delhi zum Thema hat. Jeden Tag. Und manchmal auch super Illustrationen dazu. Doch als ich die Illustrationen herausreissen wollte, war ich zu spaet. Zuerst war ChinaChinaFamilieaufsLand fliehen konnte und dort die naechsten 2 Monate verbringen wird, weil waehrend dieser Zeit Nachbeben erwartet werden. Komisch, sich vorstellen zu muessen, dass 60% der Stadt, in der man wohnt, nun ein Truemmerhaufen ist. Wenigstens kann bei einem Erdbeben niemand etwas dafuer. hat in meiner Wohnung ein kleines emotionales Beben ausgeloest: Einer meiner Mitbewohner kommt aus dieser Region. Da alle Verbindungen in der Region gegen aussen abgebrochen waren, wussten wir nicht, ob er demnaechst nach Hause fliegen wuerde. Jetzt wissen wir, dass seine an der Reihe, einen Tag spaeter, ein Anschlag in Jaipur, eine Stadt in Rajastan. Das Erdbeben in

 

Trainee-Leben

 

Sonst lebe ich hier mein Leben, war auf einer Abschieds- und Geburtstagsparty eines Amerikaners und habe mich gefuehlt, wie an einer Party, die man sonst von Filmen her kennt. Im Garten mit Bar und DJ. Niemand wusste, wo die Party genau war, weil sie im Garten eines seiner Freunde war. So sind wir eine Autorikscha ueberfuellt und sind losgefahren – und nach 1,5h holpriger Irrfahrt in einem Luxus-Aussenquartier gelandet. Von Indien direkt nach Amerika. So klein ist die Welt.

 

So, jetzt warte ich noch auf die Frau, die den Chai bringt und dann gehe ich nach Hause und packe meine Sachen, fuer unseren Wochenendausflug nach Udaipur.

 

Liebe Gruesse,

Nina

 

PS: Alle die auf Fotos warten: Schnelles Internet ist noch zu erfinden hier. Und da ich selten lange im Netz bin, muss ich euch wahrscheinlich auf den August vertroesten.

 

 

Desert experience,7.5.08

Mai 11, 2008

Es ist unglaublich hier, das Lebensgefühl in Delhi ändert sich von Woche zu Woche um 90 Grad (180 wäre zu viel gesagt). Die erste Woche war ankommen und herausfinden, was wie läuft, die zweite Woche war Temperaturanstieg und damit verbunden Unbehagen in der sehr kleinen und überfüllten, ungekühlten Wohnung. Mittlerweile habe ich mich an die Hitze ( 43 – 45 Grad) gewöhnt, was die Wohnung auch wieder erträglicher macht. Seit zwei Tagen sind die Temperaturen wieder tiefer – wahrscheinlich immer noch über 38 Grad, aber das ist im vergleich zu vorher kühl. Und es ist windig geworden, so richtig. Ich bin gespannt, was das Wetter sonst noch so bereit hält für mich hier. J

Und wenn ich schon mal in einem Land mit Wüste bin, wollte ich diese auch sehen. Und ich dachte, dass es heisser als in Delhi ja fast nicht sein kann und so bin ich mit meinen zwei Mitbewohnerinnen aus Holland 19 Stunden im Zug Richtung Jaisalmer in Rajastan aufgebrochen. Ich freute mich auf die Zugfahrt und die Wüste. Die Zugfahrt war am Anfang aber eher eine Herausforderung: Die Züge sind ein bisschen wie die russischen, die Abteile sind offen, also nicht durch eine Tür geschlossen und vis-ä-vis von jedem Abteil sind noch mal zwei Betten übereinander. Und weil in Indien einiges mehr an Leute wohnen, sind hier auch statt zwei Betten in den Abteilen, 3 übereinander. Fährt man aber zu Stosszeiten von Delhi weg, findet man sich mit mindestens 15 Indern zusammengequetscht auf einer Bank sitzend wieder. Sind irgendwo zwei Zentimeter frei, kommt jemand und quetscht sein Füdli rein. Das natürlich nur in der tieferen Preisklasse ohne Klimaanlage, sodass uns der Schweiss in Bächen runtergelaufen ist. Nicht zu sprechen vom eher unangenehmen Gefühl, von neugierig glotzenden Indern umringt zu sein, welche alle wissen wollen, wie man heisst, woher man kommt und ob man Indien mag.

Nach zwei Stunden war der Spuk – d.h. die Vororte, wo die Leute hinwollten – vorbei und wir konnten uns zu 6 auf den zwei Sitzbänken *ausbreiten“. Die Fahrt ging gemütlich weiter, im Zug verkauften sie ein super feines Essen (alles, was ich bis jetzt gegessen habe, war yummi, und die Schärfe scheint mir hier nichts auszumachen…).

Nach einem guten Schüttelzugschlaf sind wir in der antiken Wüstenstadt angekommen und die Rikshafahrer haben wollten uns, kaum stand der Zug still, vom Perron durchs Zugfenster hineinrufend in ihre Riksha lotsen. Wir waren aber gewarnt, dass das so sein wird und dass einem auch im Zug drin schon allerlei Touren und Hotels angedreht werden. So dass wir einfach stur auf unserem Geusthouse aus dem Lonelyplanet beharrten. (Was aber schlussendlich nicht die beste Wahl war. Aber die Geschichte würde länger ausfallen.)

Jaisalmer ist eine wunderschöne antike Wüstenstadt, welche aber durch die grosse Besucherzahl und dem damit verbundenen steigenden Wasserverbrauch bedroht ist. Schöne alte Häuser und während der Hochsaison wahrscheinlich unglaublich viele Touris. Im Sommer ist es aber zu warm, in ein paar Wochen wird wohl die Hälfte der Restaurants geschlossen sein. Auch die Kamelsafaris werden bald pausieren.

Oh ja, die Kamelsafari ist in dieser Stadt fast ein Muss. Zu dritt mit einem Camelman unterwegs, ritten wir früh um 9 los, den Windmühlen entgegen. (Eigentlich ist es eine gute Sache, dass sie so viele Windmühlen aufstellen, es war windig genug, für das Touristenauge ist es aber nicht unbedingt das Gesuchte…). Um 12 machten wir dann im Schatten eines Baumes Rast, und unser Camel man, Mr Khan, kochte für uns ein gutes (ein bisschen verwestliches) Mittagessen. Danach hätten wir eine Siesta machen sollen, bis die Temperaturen das Weiterreiten ermöglichen. Nur zu dumm, dass uns ein Bienenschwarm entdeckt hat, und an Schlaf nicht mehr zu denken war.

Um 3 ging es weiter im Kamelschritttempo, dieses Mal mit einem Kamel mehr in der Karawane. In einem nahen Dorf ist ein Kamelmännchen abgehauen, weil es ein Kamelweibchen erspäht hat. Unser Camel man hat das Kamel erkannt, gefangen und festgebunden. Und ca. 20 Minuten später tauchte ein beturbanter Mensch auf, der sein Kamel holen gekommen ist. Er ist ganz simpel den Fussspuren seines Kamels gefolgt. Und es ist nicht etwa so, dass sein Kamel das einzige ist. Auch unser camel man hat uns gesagt, dass er seine Kamele an ihren Fussspuren erkenne. Verblüffend! Zum Dank, dass Mr. Khan das Kamel eingefangen hat, wurden wir im Dorf auf einen Chai eingeladen und konnten bei dieser Gelegenheit auch ein kühles Pepsi trinken (das Wasser, das wir mitgenommen haben, war unterdessen heiss! Das ist etwa derselbe Kontrast, wie das Wasser in Russland auf dem Heimweg gefroren ist… einfach ins andere Extrem).

Danach haben wir eine Sanddüne erreicht – Wüste pur, keine Pflanze, nix. Genau so, wie sie im Buch aussieht. Ich war ganz aus dem Häusschen, sodass wir, kaum vom Kamel gestiegen, ein paar grosse Sprünge im Sand gemacht haben. J

Den schönen Sonnenuntergang und atembberaubenden Sternenhimmel haben wir leider nicht gesehen, weil es durch den starken Wind (welcher die Temperaturen in erträglichem Mass hielten) zu viel Sand aufgewirbelt wurde, sodass nicht viel zu sehen war. Mehr zu sehen gab es am nächsten Morgen, da wir unter freiem Himmel bei Wind in der Wüste geschlafen haben. Wir sind alle mit sandüberdecktem Gesicht aufgewacht und haben uns gegenseitig ausgelacht.

Mr Khan hat in der Zwischenzeit schon wieder für uns gekocht und camel man Sprüche zum besten gegeben: „no chapati, no chai, no woman no cry“. Oder wer den Song „barbie girl“ von Aqua kennt: „ I am a camel man, in the desert land…“

Und um eure Ausdauer nicht zu überstrapazieren alles weitere in Kurzfassung: Rückkehr nach Jaisalmer, Gang zum Bahnhof, feststellen, dass die Tickets dummerweise erst für den nächsten Tag gültig sind und wir einen Tag länger bleiben müssen (und unfreiwillig blau machen), Suche nach neuer Unterkunft – Swimmingpool Nachmittag in der Wüste – Sunsetpoint-going ohne sunset (aus oben genannten Gründen) – Besuch des Desertmuseums mit wunderbarem, alten Geschichtslehrer als Führer, der viel von seinem eigenen Leben erzählte und Fotos von einer Hochzeit zeigte, die er organisiert hat für ein kolumbianisches Paar, welche in seinem Museum eine traditionelle Hochzeit feiern wollten – zweiter Versuch, den Zug zu nehmen glückt – Rückfahrt in höherer Preisklasse mit air conditioner – Frieren im Zug, weil die AC so extrem unglaublich kalt eingestellt ist (langes Shirt, Faserpelz, Kopftuch, Socken, Wolldecke) – Ankommen in Delhi – Duschen – Arbeit – Kino mit den anderen Trainees (the iron man, bullshitmovie mit Unterhaltungswert, aber das Ganze war ein Erlebnis. Im Kino war es überhaupt nicht indisch, hätte in der Schweiz sein können, hätten die Leute nicht telefoniert während dem Film) – Schlafen und schon ist es heute. Und schon ist es spät. Drum mache ich hier einen Schlusspunkt und hoffe, dass ich die Berichte bald mal hochladen kann…

Delhi zum Zweiten, 24.4.08

Mai 11, 2008

Dharamsala

Und schon folgt der zweite Bericht über Leben und leben lassen in Delhi. Anscheinend habe ich mich das letzte Mal nicht ganz klar ausgedrückt: Da ich von Montag bis Freitag arbeite, stehen nur die Wochenenden zum Reisen zur Verfügung. Wir sind deswegen am Freitag Abend losgefahren, 12 Stunden in einem erstaunlich bequemen Bus durch die Gegend geholpert und sind gegen den Morgen in Dharamsala, bzw Mac Leonid Ganj angekommen. Aussehen tut es dort ein bisschen wie in den Schweizer Bergen, nur ist alles ein bisschen höher. Und die Leute ein bisschen anders. Der Unterschied zu den Leuten in Delhi war frappant: Einige singen in den Strassen und im Gegensatz zu Delhi kann man den Leuten direkt in die Augen schauen und mit ihnen lachen. Hier würde ein solches Verhalten eine Aufforderung für näheren Kontakt sein, in Mc Leonid war es einfach ein gemeinsames Lachen.

Das Dorf ist allerdings auch touristischer als Delhi, zumindest als das Delhi, das ich bis jetzt kenne. Hier in Delhi sind die Leute eher schick (à la indienne, versteht sich. Sprich lange Hose und Ärmel, auch bei 40 Grad), dort oben sieht man viele „Schmuddelrucksacktouristen“.

Natürlich hinterlässt der Protest gegen die olympischen Spiele auch dort seine Spuren. Jeden Tag gibt es einen Protestmarsch mit Kerzen und tibetischen Flaggen und überall sind Zeitungsartikel an die Wände geklebt worden, in welchen die Unterdrückung thematisiert ist. Zudem hängen an verschiedenen Orten im Dorf verteilt und bei den Tempeln schreckliche Bilder, welche misshandelte oder getötete Menschen in Blut liegend zeigt. So war der Besuch des Haupttempels für mich nicht etwa beruhigend oder inspirierend, sondern deprimierend und das Verlassen des Tempels eine Erleichterung.

Ansonsten waren wir eine witzige Gruppe, 7 Leute, darunter ein Amerikaner, der mit jedem Hund (und von denen gibt es eine Menge!) und vorbeigehenden Menschen in Kontakt trat, sodass wir trotz „Gruppenreise“ mit sehr vielen Leuten – Touristen, Mönche und Lokale – ins Gespräch gekommen sind.

Nach zwei Tagen in Frischluft hiess es dann schon wieder losfahren. Der Bus schien Neuer, was aber nicht vor einem Platten schützte. Zum Glück wohnen wir aber im i-pod-Zeitalter, sodass wir während der Wartezeit neben dem Bus unsere kleine Privatdisco auf der Strasse hatten, was einem Auto voller Sikhs ein Stopp und ein paar Fotos wert war. J

Der Rest der Reise verlief ziemlich reibungslos und nach einer kurzen Dusche zu Hause ging es ab wieder ins Büro.

Arbeit

Viel habe ich bis jetzt noch nicht geleistet. Nachdem klar geworden ist, dass ich nicht das machen werde, was in meinem Vertrag steht, organisiere ich nun eine Konferenz über Kinderrechte und je eine Präsentation über Schweden und Dänemark, weil dies die Hauptsponsoren „unserer“ Kinder sind. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das Büro hat etwa 9 Leute, von denen aber selten alle im Büro sind, da die Mitarbeiter oft in den Projekten sind. Wir haben ca. 9 Computer, davon 2 mit Internetanschluss, wobei der eine meiner Chefin gehört. Wer also etwas verschicken oder nachschauen sollte, muss zuerst warten, bis der „Internetcomputer“ frei wird. Eher kompliziert ist auch, wenn man Dokumente von einem Computer auf einen Anderen transferieren möchte. Da mein Arbeitscomputer noch keinen USB-Anschluss hat, muss ich zuerst eine CD mit den Daten brennen, um mit dieser CD an einem anderen Computer (mit Internet oder so) weiter an dem File zu arbeiten, worauf das veränderte File wieder gebrannt und zurück auf den Arbeitscomputer kopiert werden muss. Für mich ist diese Arbeitsweise eher beschwerlich, da ich es gewohnt bin, alles sofort nachschauen zu können und zwischen dem zu schreibenden Dokument und den Infos im Netz hin- und herzuswitchen. Scheint, dass ich eine neue Arbeitsweise zu lernen habe und sehe, wie es war, zu den Zeiten als es das Internet noch nicht gab.

Ansonsten habe ich wieder ein paar Projekte besuchen können, die mich alle sehr beeindruckt haben. Heute zum Beispiel waren wir im SOS Kinderdorf ausserhalb der Stadt. Ein wunderschönes Dorf, das den Eindruck eines Ferienortes hatte. Beeindruckend war aber nicht primär das Äussere, sondern die Lehrbuchreife der Strategie der Organisation. Nichts von „wir kommen und bringen euch eine bessere Welt“, sondern Ausbildung der Unterprivilegierten, damit sie sich selber organisieren können. Wir haben zwar gelernt, diesen Ansatz bei der Arbeit mit Unterprivilegierten zu verfolgen, doch so konsequent – und anscheinend auch erfolgreich – umgesetzt wie hier in Indien, habe ich das noch nie gesehen. (Wobei ich schon gespannt bin, ob sich meine Meinung in den nächsten zwei Monaten noch ändern wird.)

Temperaturen und magic AC

Die Temperaturen steigen und steigen, im Moment sind wir bei plus/minus 40 Grad. Und trotzdem tragen wir lange Hosen und die meisten auch längere Ärmel – und ich bin erstaunt, dass dies überhaupt erträglich ist. Aber so weit geht alles gut. Ist man in einem Raum, gibt es eine Herausforderung, mit der ich in der Schweiz noch nicht gerechnet habe: Wind. Lose Blätter auf dem Tisch werden vom Ventilator sofort weggeblasen. So muss alles Lose beschwert werden, und wenn die Putzfrau kommt, wird der Ventilator ausgeschaltet, damit der Staub nicht einfach in der Luft herumgewirbelt wird. Von dem ganzen Gebläse wird mir manchmal allerdings auch Sturm im Kopf – es ist wie an einem leicht stürmisch windigen Herbsttag. Jedoch ist dies angenehmer, als die dicke Luft, die sonst in den Räumen herrscht, welche selten wirklich Fenster haben.

Ein Luxusgut und wohl immer mehr zum Thema wird die Klimaanlage, sprich AC (air conditioning). Bereits jetzt kann ein Restaurant dem anderen bevorzugt werden, weil das eine AC hat und das andere nicht. Bei mir im Büro hat nur die Chefin das Privileg von kühler Luft, der Rest arbeitet unter einem künstlichen Sturm. In unserer Wohnung haben wir auch nur Ventilatoren und überlegen uns, ob wir uns nicht eine AC anschaffen sollen. Schon jetzt schlafe ich mit dem Ventilator voll aufgedreht, weil es auch in der Nacht um die 30 Grad ist und man die Wohnung mangels Fenster nicht durchlüften kann.

Verkehr

Wie wohl alle wissen, gibt es in Indien Rikshas, Auto-Rikshas und Bicycle-Rikshas. Jeden Morgen fahre ich ca 20 Minuten mit einer Auto-Riksha durch einen endlosen Stau zum Büro. Bevor ich aber losfahren kann, muss ich zuerst eine freie Riksha finden und einen Fahrer, der mich zu einem angemessenen Preis mitnimmt. Das funktioniert so, dass man am Strassenrand steht und winkt, wenn eine freie Riksha kommt. Dann wird über den Preis verhandelt. Natürlich würde es einen Taxometer geben, wie in einem Taxi, aber der wird von den Rikshafahrern nur selten und ungern benutzt, weil sie dann weniger Geld machen. Nach dem Verhandeln geht es los. Der Fahrer schlängelt sich durch Stau, alle möglichen Verkehrsmittel und Kühe und macht dies mit einer extremen Präzision. Die Rückspiegel stehen in der Regel nicht vom Auto ab, sondern sind innen angemacht, damit man besser durch Lücken im Verkehr kommt. Selbst die Autofahrer haben den Rückspiegel auf der Mitfahrerseite entweder abgenommen oder nach innen geklappt.

Die Abgase in der Luft hier sind extrem, sodass ich immer einem Mundschutz in der Tasche habe, den ich mir vor die Nase halte, wenn es zu arg wird. Was aber nicht vermeidet, dass alles, was bei einem Schneuzer aus der Nase kommt, pechschwarz ist. Ein Trainee fährt trotzdem nur noch mit Gesichtsmaske Riksha, weil er sich einen Husten geholt hat, den er auf die Abgase zurückführt. Um das nicht selbst ausprobieren zu müssen, folge ich seinem Beispiel – und bin dabei nicht die Einzige, es gibt auch InderInnen, die dasselbe tun. Früher sei es allerdings noch mehr verbreitet gewesen.

Stromausfall

In den letzten Tagen haben Stromausfälle unfreiwillig zu romantischen candle-light dinner oder schmelzenden Kühlschränken und daurauffolgende Pfütze in der Küche geführt. Jetzt ist es auch wieder der Fall, weswegen ich hier mit meinen eh schon zu langen Bericht ende, bevor meinem Computer noch der letzte Strom ausgeht.