Praktikumsende

Juli 3, 2008 by fruitilla

So, nun ist es so weit. Mein Praktikum ist vorbei. Ich bin darueber gar nicht so traurig, weil gemacht habe ich sehr wenig. Vieles habe ich mit Enthusiasmus angefangen - bis es dann doch wieder aus irgendeinem Grund gestrandet ist. Zum Beispiel, weil das Projekt, das ich haette dokumentieren sollen, bereits beendet worden ist, ich das aber erst gemerkt habe, als die Frageboegen nicht ausgefuellt werden konnten deswegen…

Aber ich geniesse im Moment die Zeit hier und tue wenig und plane mehr. Am Samstag kommt Dani nach Indien und am Dienstag geht es mit 2 Mitbewohnerinnen los nach Darjeeling, zum Teetrinken in der Hoehe. Weiter ist noch unklar, wo es hin gehen soll, Himalaya oder doch nicht? In den Sueden zu Sarah, Luzius und Co? Es wird sich zeigen..

Folgend noch ein paar Impressionen aus dem indischen Alltagsleben:

auf dem Bazaar

Folgende Situation: Ich suche ein T-Shirt und schlendere durch den Markt. Ich verlasse mich auf meine Augen und ignoriere die Rufe von links und rechts ‘Hello Ma;am, please come in! Hello!” und steuere auf Orte mit T-Shirts zu. Dort zieht der Verkaeufer schnell eines der haesslichsten T-Shirts hervor und haelt es mir so unter die Nase, dass ich nichts mehr sehen kann. “No, no, I want to look by myself” “Yes, yes. Do you like this?”, “no.” So geht es weiter, bis ich etwas gefunden habe, das mir dann doch gefaellt oder bis es mir zu bunt wird und ich weitergehe. Kann manchmal muehsam sein, manchmal aber auch lustig, wenn man sich mit den Verkaeufern darueber lustig macht, wie doof man aussehen wuerde in diesem oder jenem.

hmm.. und ich hatte noch ein paar andere Anekdoten im Aermel… Aber es scheint, dass die mit dem Schweiss davon geflossen sind (kein Buero mehr tagsueber = keine Klimaanlage mehr = Schweiss = Sommergefuehl’.

Queer Pride, Nachtrag

Juli 3, 2008 by fruitilla

In den Zeitungen steht, dass am Schluss 700 Leute mitgelaufen sind, ein riesen Erfolg! Auch steht, dass das Thema nun im Parlament (oder so) diskutiert wird. Wollen wir hoffen, dass dem so sein wird.

Und tatsaechlich: das Foto meiner Mitbewohnerin und einer Freundin ist gross in der Zeitung mit dem Kommentar “happy to be together’. (Was sie nicht sehr gefreut hat..) Und heute ist anscheinend dasselbe Bild noch einmal in derselben Zeitung (was sie noch ein bisschen weniger gefreut hat). :)

First Delhi Queer Pride

Juni 30, 2008 by fruitilla

Dieses Wochenende ist leider der Ausflug zu den Kamasutra-Tempeln geplatzt, aber wir sind ja in Indien und da ist schnell Ersatz gefunden. Gestern war die erste Queer Pride in Delhi und das wollten wir natuerlich nicht verpassen. Sexualitaet ist hier ein solches Tabu und Homosexualitaet immer noch verboten. Da wollten wir doch auch dagegen protestieren und waren natuerlich gleichzeitig auch neugierig, wie die indische schwul-lesbische Szene daher kommt.

20 Minuten bevor sich der Umzug in Bewegung gesetzt hat, waren wir vor Ort - und umringt von einem grossen Polizeiaufgebot, da Gegendemonstrationen und Attacken befuerchtet wurden (was aber nicht passierte). Viele der bereit stehenden Demonstranten waren Auslaender (weil es zu frueh war oder weil sich die Inder nicht trauten?). Auf jeden Fall stuerzte sich die Presse trotzdem auf uns 5 Auslaender - Fotos, Interviews ohne Ende. Wieso sind wir gekommen? Wie sieht die Gesetzeslage in der Schweiz aus? Wieso unterstuetzen wir die schwul-lesbische Szene? Dieses Mal waren die Fotos aber fuer eine gute Sache und nicht einfach fuer ein weiteres Familienalbum und von dem her liessen wir es uns gefallen.

Kaum hat sich der Umzug in Bewegung gesetzt mit Musik, vielen vielen regenbogenfarbenen Faehnchen (die gratis verteilt wurden, wahrscheinlich von einer NGO) und froehlichen Menschen. Erstaunlich viele trugen auch Transparente und Schilder mit sich - z.T. auch vorfabriziert von einer NGO - sodass sich der Umzug blicken liess. Im vofeld haben wir uns nicht vorstellen koennen, wie eine Queerparade aussieht hier. Ausgefallene Menschen sucht man hier normalerweise wie eine Nadel im Heuhaufen. Und trotzdem umsonst. Hier konnte man aber eine handvoll Transvestiten in indischen Kleidern sehen, die wunderbar mit den fuer indische Frauen typischen Bewegungen zur indischen Musik getanzt haben. Haut hat man ganz nach indischer Tradition bei niemandem gesehen, einzelne hatten aber regenbogenfarbige Brillen, Struempfe oder Tuecher.

Nicht wenige Leute im Umzug waren maskiert, wollten ihr Gesicht nicht zeigen. Die Stigmatisierung ist zu gross und kann auf die ganze Familie abfaerben. Zudem ist Homosexualitaet nach wie vor illegal. Wichtig war aber, dass sie dort waren und Indien zeigte, dass es in Indien Homosexualitaet gibt, sie dazu stehen und dieselben Rechte haben sollten, wie alle anderen.

Ich habe mich allerdings auch gefragt, was wohl passiert, wenn eine Tochter aus einer armen Familie lesbisch ist und dies auch lebt - oder zumindest dazu steht. Im Normalfall sichert eine Hochzeit die Existenz der Tochter. Ich bezweifle aber, dass sich ein Ehemann fuer eine lesbische Tochter finden laesst. In der Stadt laesst sich wohl eine Loesung finden, die Tochter findet sich einen Job und versorgt sich selbst. Auf dem Land wuerde sie wohl verstossen, im schlimmsten Fall umgebracht und das Ueberleben der ganzen Familie waere gefaehrdet. Nicht, dass das eine Rechtfertigung fuer die masslose Diskriminierung von Schwulen und Lesben waere, aber dies zeigt auf, wie weit das Land noch zu gehen hat, bis auch in dieser Hinsicht mehr Gleichheit herrscht. Gestern wollten wir das Unsere dazu beitragen, dass sich Indien in Richtung Gleichberechtigung (oder zumindest hoehere Akzeptanz und Legalisierung) bewegt. Und wir hatten unseren Spass dabei. :) Bis jetzt war dieser Umzug einer der froehlichsten und lustigsten indischen Anlaesse.

Wieder mal was zu lesen

Juni 17, 2008 by fruitilla

Mc Donalds

Letztes Wochenende war wieder mal ein Delhi Erkundungswochenende. Zuerst Tempel&Co. Doch dann als wir nach Hause wollten, merkten wir, dass wir nur noch grosse Noten hatten. Nichts, mit dem wir den Rikshawallah hätten bezahlen können. Die einzige Möglichkeit kleineres Geld zu bekommen, war etwas in einem grösseren Laden zu kaufen, was nicht immer ganz einfach ist. In diesem Fall war ein Mc Donald’s das nächste. Und das war – wider Erwarten – ein indisches Erlebnis. Paneer-Burger (Paneer ist ein indischer Kàse, supergut). Ich hatte wegen Magenverstimmung nur Kaffee (….), Katja, meine Mitbewohnerin freute sich dagegen auf einen Chicken Burger (für richtige Fleischesser ist es hier im Vegiparadies manchmal schwierig..). Die Überraschung war nicht klein, als der Burger gut indisch gewürzt daher kam. Was mich als McDonald’s-boykottiererin gefreut, sie dagegen eher frustriert hat.

Aus warm wird heiss, aus heiss wird schwül

 Es ist so weit, der Monsun hat - 2 Wochen frueher als ueblich -begonnen. Es ist immer noch warm, bzw. heiss, aber extrem feucht geworden. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas erlebt, nicht einmal in der Sauna habe ich jedes Mal so geschwitzt, wie ich es hier an einem warmen, feuchten Tag tue. Der Schweiss rinnt den Körper runter, auch wenn man nur im Schatten sitzt. Aber man gewöhnt sich auch an das und trägt einfach ein Schweisstuch mit sich, mit dem man sich in regelmässigen Abständen das Wasser aus dem Gesicht und dem Nacken wischt. Und endlich habe ich den Unterschied zwischen trockener Hitze und feuchter Hitze gelernt: trockene Hitze ist wenn man literweise Wasser trinkt und das Wasser einfach spurlos verschwindet. Es kommt nirgendwo aus dem Koerper. Feuchte Hitze ist wenn das getrunkene Wasser den Koerper herunterlaeuft, statt spurlos zu verdunsten.

 Delhi

Auch nach 2 Monaten ist und bleibt Delhi eine Herausforderung. Die SUVA würde die Stadt verbieten: zu laut, zu stinkig. Ich frage mich manchmal ernsthaft, ob nicht die Hälfte der Leute hier einen Gehörschaden haben. Wenn einem täglich mehrmals direkt superlaut ins Ohr gehupt wird muss das mit der Zeit doch Spuren hinterlassen. In Amritsar habe ich halb amüsiert halb bewundernd ins Ohrinnere eines anderen Touristen geschaut – und dort ein Ohropax gefunden. Vielleicht keine schlechte Idee…

 Reisen

Seit dem letzten Bericht war ich 2 mal unterwegs.

 Agra, 31. Mai – 1. Juni

Ein Wochenendausflug ging nach Agra zum Taj Mahal. Eine unmögliche Stadt, ein eindrücklicher Taj Mahal, wobei ich mich allerdings frage, ob der Besuch der Preis wert war. Ganz prinzipiell, nicht in absoluten Zahlen gemessen. Eine indische Person bezahlt 20 Rupien Eintritt, das Ausländerticket kostet 750!!!! Vor ein paar Jahren bezahlten auch Ausländer nur 20 Rupien, doch dann hat die UNESCO den Taj Mahal zum Weltkulturerbe erkoren – und der Eintrittspreis ist auf 900Rupien in die Höhe geschnellt. Nach allseitigem Protest wurde der Preis minim auf 750 gesenkt.

 Amritsar, 06. – 08. Juni

Vorletzes Wochenende ging es in den Norden an die pakistanische Grenze nach Amritsar, das Mekka der Sikhs. Im Amritsar steht der Goldene Tempel, umgeben von heiligem Wasser. Im Gegensatz zu Agra war hier alles umsonst. Schlafen im Gurudwara im Tempel, Essen mit Hunderten von anderen Leuten, um den Tempel spazieren, in den Tempel gehen (2 Stunden anstehen, auch um 4:30 am Morgen!). Die Leute, waren offen und hilfsbereit und nicht hatten es nicht nur auf Geld abgesehen. Um 11 Uhr in der Nacht führten uns ein paar Buben durch die Tempelanlagen, erklärten in gebrochenem Englisch, was so passiert und haben Kin, einem Trainee, einen Turban gebunden. Mit seinem Bart hat er wie ein richtiger Sikh ausgesehen. J Speziell für Amritsar und Sikh-Tempel im Allgemeinen ist das Essen umsonst für alle. Und das Essen ist gut! Die Organisation des Ganzen mit einer für Indien untypischen Effizienz. Man kommt zur Essenshalle, bekommt einen Teller und eine Wasserschale in die Hand gedrückt, wird weiter gelotst und gebeten, in einer der langen Reihen im Saal am Boden Platz zu nehmen. Hunderte von Leuten sitzen so, und konstant laufen Freiwillig helfende mit Kübeln gefüllt mit Reis, Dal, Chapatis etc etc durch die Reihen und füllen jeden Teller bis alle Mägen gefüllt sind. Sind alle fertig, wird der Raum geputzt, während Hunderte von anderen Leuten im ersten Stock essen. Und bis die fertig sind, ist der Raum unten sauber und neue Leute strömen hinein. So geht das 24 Stunden lang. Irgendjemand von unserer Gruppe hat mit jemandem ein Gespräch angefangen, der jeweils am Sonntag im Tempel arbeitet. Er hat uns nach dem Essen zu Chai eingeladen und und die Küche erklärt. Das war eindrücklich. Hunderte Liter Milch in einem Topf, Hundertausende von Chapatis werden produziert (die Hälfte traditionell von Hand, der Rest von einer Chapatimaschine). Und jeder kann helfen. Ich habe mich am Schluss der Führung zu den Tellerwascherinnen gesellt. Und selbst das Tellerwaschen ist gut organisiert und das Resultat lässt sich sehen! Zuerst werden die Essensreste von den Tellern gewaschen, dann werden die Teller 2 Mal mit Seife gewaschen und 3 Mal in klarem Wasser gespült. Und da die Teller alle aus Metall sind, hinterlässt die Waschkette ein lauter, regelmässiges Geklapper, das die ganze Nacht andauert. Schlafen im Tempel war auch ganz spannend: Nicht alle von unserer Gruppe wollten im Tempel schlafen, sodass wir nur zu dritt (von 15) im Tempel die Schlafräume suchten. Das Prozedere war super unkompliziert. Ein Raum pro Haus ist für Ausländer reserviert (was ich sehr geschätzt habe), ist ein Bett frei, ist es deins und du platzierst dein Leintuch oder Schlafsack um dies zu signalisieren. Für Gepäck hat es Schliessfächer, um zu Duschen eine Dusche. Und in der Nacht wacht ein Sikh-Wächter über uns (und wahrscheinlich die Sitten). Um 4:30 am Morgen wollten wir aufstehen um die Zeremonie zu sehen, wie sie das heilige Buch der Sikhs wecken. Leider geschah das Ganze im Tempel – und ich hatte beim besten Willen eine Lust 2 Stunden anzustehen, um dann zu merken, dass die Zeremonie vorbei ist. Es war unglaublich, wie viele Leute so früh in der Tempelanlage waren. Mehr, als wir am Nachmittag gesehen haben! Und um 11 Uhr nachts sind all die Leute, die am Morgen auf sind, ueberall am Boden verstreut und schlafen einen tiefen und gesunden Schlaf – auf Marmorboden. Wir zogen unsere einfachen Betten im Schlafsaal dennoch vor und waren um 6 Uhr wieder im Land der Träume.

Das normale Touri-Programm in Amritsar beinhaltet auch eine Exkursion an die Pakistanische Grenze. Jeden Abend wir die Grenze mit grossem Tam-Tam von beiden Seiten geschlossen. Ein Volksfest, während dem beide Seiten ihre Macht und Volkszusammenhalt demonstrieren. Die Grenzwächter hüpfen wie eine Mischung zwischen Pferd und Ballerina zum länderteilenden Tor, die Inder rufen „Hindustan“, die Paktistani „Pakistan“. Spannend war aber der Blick über die Grenze: auf der einen Seite die Männer, auf der andern die Frauen mit Tschador oder zumindest Kopftuch. Die geografische Distanz waren nur einige Meter, die Kulturen dem Anschein nach so verschieden.

 Trainee-Leben

Es gibt Luft in unserer WG. Zwei meiner MitbewohnerInnen sind schon abgereist, bald geht der dritte. Es ist direkt komisch, wenn um 7 oder 8 Uhr abends nicht 8 Leute um den Herd tigern und warten, bis eine Pfanne oder eine Platte frei wird. Oder wenn man nach Hause kommt und niemand ist hier. Dafür können wir nun alle normal am Tisch sitzen. Mal schauen, wie lange das so bleibt. In unserer Trainee-Community ist ein ständiges Kommen und Gehen. Am Anfang wird man oft gefragt, wann man denn angekommen sein. Nach einer Weile ändert sich die Frage zu: Wann gehst du? Und das ist nicht bös gemeint.

Und nun bin auch ich ein Opfer der Mageninfektionen, wie sie hier so fast jeder hat. Heute morgen war ich im Spital und habe meine Antibiotika verschrieben bekommen. Ein Durchfall wie dieser gehört verboten! Ich verstehe nun, wieso die Todesursache Nummer eins in Indien Durchfall ist. Ohne Medis – und wichtiger – Wasser, geht jegliche Nahrung unverdaut durch den Körper durch. Schwups und weg.

Arbeit

Letzte Woche hat die Konferenz stattgefunden, in deren Organisation ich verwickelt gewesen war. Das war eine schwere Geburt, zumindest für mich. Email-Kommunikation funktioniert nur, wenn man anruft, sobald man das Mail geschrieben hat und es gegebenenfalls nochmals schickt oder an eine andere Adresse, weil die Adressen schneller wechseln als die Updates auf den Homepages und Dokumenten. Oder aber die Person checkt einfach die Mailbox nicht. Organisiert man eine Sitzung, muss man zudem darauf gefasst sein, dass die Leute nicht erscheinen, wenn man ihnen nicht mindestens 2-mal täglich hinterher telefoniert. An einem gewissen Punkt war für mich das Chaos so gross und die ewigen Änderungen im Konzept so frustrierend, dass ich dankbar war, die Federführung abgeben zu können und einfach irgendwo ein kleines Rädchen spielte. Nicht genau, was ich mir vom Praktikum hier erhofft habe, aber auf jeden Fall eine interkulturelle Lebenserfahrung (auch wenn mir von der anderen Organisation, die dann die Federführung übernommen hat, versichert worden ist, dass das ein sehr untypischer Organisationsablauf war): Hochrangige Namen zierten unsere Einladung, Geld floss ganz plötzlich von der UNICEF und dem Staat und das Ganze schien ein Erfolg gewesen zu sein. (Da alles in Hindi war, habe ich sehr wenig vom Ganzen verstanden, obwohl ein Arbeitskollege sich Mühe gegeben hat, mir zu erklären, was passiert.)

 Mobile loss

 Die Zurückeroberung meiner alten indischen Telefonnummer hat sich zu meiner Freude wider Erwarten als Spaziergang erwiesen. Man muss nur 2 Sachen tun: a) Man schreibt ein Zettel von Hand, in dem geschrieben steht, wie das Natel verloren geganen ist, wo und wann und dass man dieselbe Nummer wieder haben möchte. Der Officer drückt einen Stempel und eine Unterschrift aufs Papier (gratis!) und mit dem Zettel konnte ich in den Vodaphone Laden, bezahlte 100 Rupien und hatte meine Nummer wieder, sogar mit dem alten Kredit (der glückliche Finder meines alten Natels hat jedoch gute Arbeit geleistet und fast alles wegtelefoniert). Jetzt habe ich wieder ein Nokia, das einen Bollywoodsong spielt, wenn jemand anruft und das Hindi-zeichen auf der Tastatur hatte. Es ist zwar einiges weniger spektakulär als das Telefon, das ich als Übergangsnatel hatte, das jeden Knopfdruck in Hindi kommentiert hat, dafür lässt es sich VIEL besser bedienen.

lost mobile

Mai 26, 2008 by fruitilla

wer immer meine indische Natelnummer hatte: im Moment ist sie ungueltig und vielleicht bleibt sie das. Ich habe mein Natel verloren (ich glaube, es ist mir in der Riksha auf dem Weg zum Bahnhof aus dem Rucksack gefallen. Wenn nicht, wurde es gestohlen. Was aber im Endeffekt keine Rolle spielt).

Blitzgruss

Nina

Monsun Vorgeschmack

Mai 23, 2008 by fruitilla

 

Die letzten drei Tage hatten wir einen Vorgeschmack auf den Monsun! Es sollte noch mindestens einen Monat dauern, bis  der Monsun einsetzt, aber bereits sind die Strassen unter Wasser, und die Temperaturen sind von 38 auf unter 20 gefallen. Nass und kuehl, wie in der Schweiz.

 

 

Natuerlich regnete es zum ersten Mal, als ich zur Arbeit wollte. Ich habe gerade einem Auto-Rikshafahrer gesagt, er koenne ohne mich weiter bei diesem Preis – und wusch hat es zu regnen angefangen. Mit vielen anderen Indern habe ich an der Bushaltestelle Schutz vor dem Regen gesucht. Aber da das Dach Loecher hat, war das Unternehmen nur halb wirksam.

 

Na ja, auf jeden Fall hat es 3 Tage hintereinander am Morgen geregnet, keine leeren Autorikschas waren zu finden, somit keine Moeglichkeit, zur Arbeit zu gehen. Na ja, man ist in Indien und findet das nicht so tragisch. Man wird weiser und wartet am naechsten Morgen zu Hause im Trockenen, bis der Regen nachlaesst, die Rush-hour durch ist oder man den Willen hat, in den Regen zu gehen (zum Glueck habe ich einen Schweizer Regenschirm als Mitbringsel eingepackt! Der hat schon seine besten Dienste erwiesen, auch wenn es sich komisch anfuehlt, mit einem roten Regenschirm mit weissen Kreuzen drauf um die Seen auf der Strasse zu taenzeln).

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Unglaublich. Ich trage geschlossene Schuhe und ein Halstuch (bei mir in der Wohnung sind alle noch erkaeltet von dem ewigen Wechsel zwischen Klimaanlage und Hitze auf der Strasse… Zudem soll man nie zu frueh sagen, man sei topgesund. Wir haben auch grad ein epidemisches Magenunwohlsein in verschiedensten Graden in der Wohnung. Seit 3 Tagen essen alle meine schweizer Magenmedikamente und Reis ohne Sauce – ich inbegriffen.)

 

Aber wie dem auch sei. An unserem ‘girls evening’ in einem Café (wo wir die Bedienung gebeten haben, die Klimaanlage doch bitte auszuschalten, weil wir alle nass waren und es draussen ja eh kalt war) haben wir mit Genuss warmen Tee getrunken. Die Rueckfahrt durch die grossen Wassermassen auf der Strasse war eindruecklich, Jennifer hat ein Video davon gemacht, vielleicht ist das bald einmal online zu sehen.

 

So, und nun zurueck an die Arbeit

 

Liebe Gruesse,

Nina

Alltagsblabla, 16.5.08

Mai 16, 2008 by fruitilla

Hallo zusammen!

 

Hier ein neuer meiner, mit indischer Regelmaessigkeit erscheinenden, weekly reports. Heute geschrieben zur Beschaeftigungstherapie aus meinem Buero.

Beginnen wir doch gleich hier:

 

Arbeit

 

Die Antwort, ob mir mein Prakti gefaellt, aendert sich stuendlich. Manchmal scheint alles vowaerts zu gehen und ich habe tausend Plaene im Kopf, was ich denn alles wie machen werde. Eine Stunde spaeter sind die Plaene wieder am Boden (wegen mangelnden Hindi-Kenntnissen, geaenderten Prioritaeten in meinem Aufgabenbereich oder weil nun ein anderes Projekt ploetzlich vorwaerts geht.). Vorgestern war alles top und heute ist flaute. Und meine Chefin an einer Konferenz. Aber ich habe jetzt Internet und so ist fuer Unterhaltung gesorgt.

 

Stromausfaelle II

 

Ich habe in einem der letzten Berichte ueber Stromausfaelle berichtet. Tage spaeter sah ich in der Zeitung, dass es in einem anderen Stadtteil von Delhi Aufstaende gegeben hat, weil die Stromversorgung jede Nacht fuer mehrere Stunden unterbrochen war und die Leute wegen der Hitze nicht mehr schlafen konnten (Strom weg = Ventilator steht still = Schweissausbruch). Seither hat sich die Situation drastisch gebessert. Ob das am Aufstand oder an den tieferen Temperaturen liegt, weiss ich nicht. Wir haben in unserer Wohnun einen Cooler installiert bekommen. Das ist ein RIESENkasten auf dem Balkon, der seiner Groesse entsprechend Laerm macht. Nun koennen wir waehlen – Hitze oder Laerm. Wir haben uns gestern darauf geeinigt, den Cooler am Abend einzuschalten um die Wohnung zu runterzukuehlen, und dann in der Nacht mit dem Ventilator zu schlafen. Ich hatte einen tiefen, gesunden Schlaf.

 

Gesundheit

 

Manche Fragen mich, wie es denn so mit Durchfall und so aussieht. Bis jetzt strotze ich vor Gesundheit. In der Zeit, in der die Temperaturen angestiegen sind, haben die Koerper meiner MitbewohnerInnen mit den Aussentemperaturen mitgezogen. 39 Grad inside temperature, 45 outside temperature. Ich bin nicht boese, dass mein Koerper bei 36,7 inside Temp geblieben ist.

 

worldpress ;)

 

Eigentlich wollte ich in diesem Bericht ueber eine Zeitung schreiben, welche immer auf den ersten zwei Seiten den Verkehr von Delhi zum Thema hat. Jeden Tag. Und manchmal auch super Illustrationen dazu. Doch als ich die Illustrationen herausreissen wollte, war ich zu spaet. Zuerst war ChinaChinaFamilieaufsLand fliehen konnte und dort die naechsten 2 Monate verbringen wird, weil waehrend dieser Zeit Nachbeben erwartet werden. Komisch, sich vorstellen zu muessen, dass 60% der Stadt, in der man wohnt, nun ein Truemmerhaufen ist. Wenigstens kann bei einem Erdbeben niemand etwas dafuer. hat in meiner Wohnung ein kleines emotionales Beben ausgeloest: Einer meiner Mitbewohner kommt aus dieser Region. Da alle Verbindungen in der Region gegen aussen abgebrochen waren, wussten wir nicht, ob er demnaechst nach Hause fliegen wuerde. Jetzt wissen wir, dass seine an der Reihe, einen Tag spaeter, ein Anschlag in Jaipur, eine Stadt in Rajastan. Das Erdbeben in

 

Trainee-Leben

 

Sonst lebe ich hier mein Leben, war auf einer Abschieds- und Geburtstagsparty eines Amerikaners und habe mich gefuehlt, wie an einer Party, die man sonst von Filmen her kennt. Im Garten mit Bar und DJ. Niemand wusste, wo die Party genau war, weil sie im Garten eines seiner Freunde war. So sind wir eine Autorikscha ueberfuellt und sind losgefahren – und nach 1,5h holpriger Irrfahrt in einem Luxus-Aussenquartier gelandet. Von Indien direkt nach Amerika. So klein ist die Welt.

 

So, jetzt warte ich noch auf die Frau, die den Chai bringt und dann gehe ich nach Hause und packe meine Sachen, fuer unseren Wochenendausflug nach Udaipur.

 

Liebe Gruesse,

Nina

 

PS: Alle die auf Fotos warten: Schnelles Internet ist noch zu erfinden hier. Und da ich selten lange im Netz bin, muss ich euch wahrscheinlich auf den August vertroesten.

 

 

Desert experience,7.5.08

Mai 11, 2008 by fruitilla

Es ist unglaublich hier, das Lebensgefühl in Delhi ändert sich von Woche zu Woche um 90 Grad (180 wäre zu viel gesagt). Die erste Woche war ankommen und herausfinden, was wie läuft, die zweite Woche war Temperaturanstieg und damit verbunden Unbehagen in der sehr kleinen und überfüllten, ungekühlten Wohnung. Mittlerweile habe ich mich an die Hitze ( 43 – 45 Grad) gewöhnt, was die Wohnung auch wieder erträglicher macht. Seit zwei Tagen sind die Temperaturen wieder tiefer – wahrscheinlich immer noch über 38 Grad, aber das ist im vergleich zu vorher kühl. Und es ist windig geworden, so richtig. Ich bin gespannt, was das Wetter sonst noch so bereit hält für mich hier. J

Und wenn ich schon mal in einem Land mit Wüste bin, wollte ich diese auch sehen. Und ich dachte, dass es heisser als in Delhi ja fast nicht sein kann und so bin ich mit meinen zwei Mitbewohnerinnen aus Holland 19 Stunden im Zug Richtung Jaisalmer in Rajastan aufgebrochen. Ich freute mich auf die Zugfahrt und die Wüste. Die Zugfahrt war am Anfang aber eher eine Herausforderung: Die Züge sind ein bisschen wie die russischen, die Abteile sind offen, also nicht durch eine Tür geschlossen und vis-ä-vis von jedem Abteil sind noch mal zwei Betten übereinander. Und weil in Indien einiges mehr an Leute wohnen, sind hier auch statt zwei Betten in den Abteilen, 3 übereinander. Fährt man aber zu Stosszeiten von Delhi weg, findet man sich mit mindestens 15 Indern zusammengequetscht auf einer Bank sitzend wieder. Sind irgendwo zwei Zentimeter frei, kommt jemand und quetscht sein Füdli rein. Das natürlich nur in der tieferen Preisklasse ohne Klimaanlage, sodass uns der Schweiss in Bächen runtergelaufen ist. Nicht zu sprechen vom eher unangenehmen Gefühl, von neugierig glotzenden Indern umringt zu sein, welche alle wissen wollen, wie man heisst, woher man kommt und ob man Indien mag.

Nach zwei Stunden war der Spuk – d.h. die Vororte, wo die Leute hinwollten – vorbei und wir konnten uns zu 6 auf den zwei Sitzbänken *ausbreiten“. Die Fahrt ging gemütlich weiter, im Zug verkauften sie ein super feines Essen (alles, was ich bis jetzt gegessen habe, war yummi, und die Schärfe scheint mir hier nichts auszumachen…).

Nach einem guten Schüttelzugschlaf sind wir in der antiken Wüstenstadt angekommen und die Rikshafahrer haben wollten uns, kaum stand der Zug still, vom Perron durchs Zugfenster hineinrufend in ihre Riksha lotsen. Wir waren aber gewarnt, dass das so sein wird und dass einem auch im Zug drin schon allerlei Touren und Hotels angedreht werden. So dass wir einfach stur auf unserem Geusthouse aus dem Lonelyplanet beharrten. (Was aber schlussendlich nicht die beste Wahl war. Aber die Geschichte würde länger ausfallen.)

Jaisalmer ist eine wunderschöne antike Wüstenstadt, welche aber durch die grosse Besucherzahl und dem damit verbundenen steigenden Wasserverbrauch bedroht ist. Schöne alte Häuser und während der Hochsaison wahrscheinlich unglaublich viele Touris. Im Sommer ist es aber zu warm, in ein paar Wochen wird wohl die Hälfte der Restaurants geschlossen sein. Auch die Kamelsafaris werden bald pausieren.

Oh ja, die Kamelsafari ist in dieser Stadt fast ein Muss. Zu dritt mit einem Camelman unterwegs, ritten wir früh um 9 los, den Windmühlen entgegen. (Eigentlich ist es eine gute Sache, dass sie so viele Windmühlen aufstellen, es war windig genug, für das Touristenauge ist es aber nicht unbedingt das Gesuchte…). Um 12 machten wir dann im Schatten eines Baumes Rast, und unser Camel man, Mr Khan, kochte für uns ein gutes (ein bisschen verwestliches) Mittagessen. Danach hätten wir eine Siesta machen sollen, bis die Temperaturen das Weiterreiten ermöglichen. Nur zu dumm, dass uns ein Bienenschwarm entdeckt hat, und an Schlaf nicht mehr zu denken war.

Um 3 ging es weiter im Kamelschritttempo, dieses Mal mit einem Kamel mehr in der Karawane. In einem nahen Dorf ist ein Kamelmännchen abgehauen, weil es ein Kamelweibchen erspäht hat. Unser Camel man hat das Kamel erkannt, gefangen und festgebunden. Und ca. 20 Minuten später tauchte ein beturbanter Mensch auf, der sein Kamel holen gekommen ist. Er ist ganz simpel den Fussspuren seines Kamels gefolgt. Und es ist nicht etwa so, dass sein Kamel das einzige ist. Auch unser camel man hat uns gesagt, dass er seine Kamele an ihren Fussspuren erkenne. Verblüffend! Zum Dank, dass Mr. Khan das Kamel eingefangen hat, wurden wir im Dorf auf einen Chai eingeladen und konnten bei dieser Gelegenheit auch ein kühles Pepsi trinken (das Wasser, das wir mitgenommen haben, war unterdessen heiss! Das ist etwa derselbe Kontrast, wie das Wasser in Russland auf dem Heimweg gefroren ist… einfach ins andere Extrem).

Danach haben wir eine Sanddüne erreicht – Wüste pur, keine Pflanze, nix. Genau so, wie sie im Buch aussieht. Ich war ganz aus dem Häusschen, sodass wir, kaum vom Kamel gestiegen, ein paar grosse Sprünge im Sand gemacht haben. J

Den schönen Sonnenuntergang und atembberaubenden Sternenhimmel haben wir leider nicht gesehen, weil es durch den starken Wind (welcher die Temperaturen in erträglichem Mass hielten) zu viel Sand aufgewirbelt wurde, sodass nicht viel zu sehen war. Mehr zu sehen gab es am nächsten Morgen, da wir unter freiem Himmel bei Wind in der Wüste geschlafen haben. Wir sind alle mit sandüberdecktem Gesicht aufgewacht und haben uns gegenseitig ausgelacht.

Mr Khan hat in der Zwischenzeit schon wieder für uns gekocht und camel man Sprüche zum besten gegeben: „no chapati, no chai, no woman no cry“. Oder wer den Song „barbie girl“ von Aqua kennt: „ I am a camel man, in the desert land…“

Und um eure Ausdauer nicht zu überstrapazieren alles weitere in Kurzfassung: Rückkehr nach Jaisalmer, Gang zum Bahnhof, feststellen, dass die Tickets dummerweise erst für den nächsten Tag gültig sind und wir einen Tag länger bleiben müssen (und unfreiwillig blau machen), Suche nach neuer Unterkunft - Swimmingpool Nachmittag in der Wüste - Sunsetpoint-going ohne sunset (aus oben genannten Gründen) - Besuch des Desertmuseums mit wunderbarem, alten Geschichtslehrer als Führer, der viel von seinem eigenen Leben erzählte und Fotos von einer Hochzeit zeigte, die er organisiert hat für ein kolumbianisches Paar, welche in seinem Museum eine traditionelle Hochzeit feiern wollten – zweiter Versuch, den Zug zu nehmen glückt – Rückfahrt in höherer Preisklasse mit air conditioner – Frieren im Zug, weil die AC so extrem unglaublich kalt eingestellt ist (langes Shirt, Faserpelz, Kopftuch, Socken, Wolldecke) – Ankommen in Delhi – Duschen – Arbeit – Kino mit den anderen Trainees (the iron man, bullshitmovie mit Unterhaltungswert, aber das Ganze war ein Erlebnis. Im Kino war es überhaupt nicht indisch, hätte in der Schweiz sein können, hätten die Leute nicht telefoniert während dem Film) – Schlafen und schon ist es heute. Und schon ist es spät. Drum mache ich hier einen Schlusspunkt und hoffe, dass ich die Berichte bald mal hochladen kann…

Delhi zum Zweiten, 24.4.08

Mai 11, 2008 by fruitilla

Dharamsala

Und schon folgt der zweite Bericht über Leben und leben lassen in Delhi. Anscheinend habe ich mich das letzte Mal nicht ganz klar ausgedrückt: Da ich von Montag bis Freitag arbeite, stehen nur die Wochenenden zum Reisen zur Verfügung. Wir sind deswegen am Freitag Abend losgefahren, 12 Stunden in einem erstaunlich bequemen Bus durch die Gegend geholpert und sind gegen den Morgen in Dharamsala, bzw Mac Leonid Ganj angekommen. Aussehen tut es dort ein bisschen wie in den Schweizer Bergen, nur ist alles ein bisschen höher. Und die Leute ein bisschen anders. Der Unterschied zu den Leuten in Delhi war frappant: Einige singen in den Strassen und im Gegensatz zu Delhi kann man den Leuten direkt in die Augen schauen und mit ihnen lachen. Hier würde ein solches Verhalten eine Aufforderung für näheren Kontakt sein, in Mc Leonid war es einfach ein gemeinsames Lachen.

Das Dorf ist allerdings auch touristischer als Delhi, zumindest als das Delhi, das ich bis jetzt kenne. Hier in Delhi sind die Leute eher schick (à la indienne, versteht sich. Sprich lange Hose und Ärmel, auch bei 40 Grad), dort oben sieht man viele „Schmuddelrucksacktouristen“.

Natürlich hinterlässt der Protest gegen die olympischen Spiele auch dort seine Spuren. Jeden Tag gibt es einen Protestmarsch mit Kerzen und tibetischen Flaggen und überall sind Zeitungsartikel an die Wände geklebt worden, in welchen die Unterdrückung thematisiert ist. Zudem hängen an verschiedenen Orten im Dorf verteilt und bei den Tempeln schreckliche Bilder, welche misshandelte oder getötete Menschen in Blut liegend zeigt. So war der Besuch des Haupttempels für mich nicht etwa beruhigend oder inspirierend, sondern deprimierend und das Verlassen des Tempels eine Erleichterung.

Ansonsten waren wir eine witzige Gruppe, 7 Leute, darunter ein Amerikaner, der mit jedem Hund (und von denen gibt es eine Menge!) und vorbeigehenden Menschen in Kontakt trat, sodass wir trotz „Gruppenreise“ mit sehr vielen Leuten – Touristen, Mönche und Lokale – ins Gespräch gekommen sind.

Nach zwei Tagen in Frischluft hiess es dann schon wieder losfahren. Der Bus schien Neuer, was aber nicht vor einem Platten schützte. Zum Glück wohnen wir aber im i-pod-Zeitalter, sodass wir während der Wartezeit neben dem Bus unsere kleine Privatdisco auf der Strasse hatten, was einem Auto voller Sikhs ein Stopp und ein paar Fotos wert war. J

Der Rest der Reise verlief ziemlich reibungslos und nach einer kurzen Dusche zu Hause ging es ab wieder ins Büro.

Arbeit

Viel habe ich bis jetzt noch nicht geleistet. Nachdem klar geworden ist, dass ich nicht das machen werde, was in meinem Vertrag steht, organisiere ich nun eine Konferenz über Kinderrechte und je eine Präsentation über Schweden und Dänemark, weil dies die Hauptsponsoren „unserer“ Kinder sind. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das Büro hat etwa 9 Leute, von denen aber selten alle im Büro sind, da die Mitarbeiter oft in den Projekten sind. Wir haben ca. 9 Computer, davon 2 mit Internetanschluss, wobei der eine meiner Chefin gehört. Wer also etwas verschicken oder nachschauen sollte, muss zuerst warten, bis der „Internetcomputer“ frei wird. Eher kompliziert ist auch, wenn man Dokumente von einem Computer auf einen Anderen transferieren möchte. Da mein Arbeitscomputer noch keinen USB-Anschluss hat, muss ich zuerst eine CD mit den Daten brennen, um mit dieser CD an einem anderen Computer (mit Internet oder so) weiter an dem File zu arbeiten, worauf das veränderte File wieder gebrannt und zurück auf den Arbeitscomputer kopiert werden muss. Für mich ist diese Arbeitsweise eher beschwerlich, da ich es gewohnt bin, alles sofort nachschauen zu können und zwischen dem zu schreibenden Dokument und den Infos im Netz hin- und herzuswitchen. Scheint, dass ich eine neue Arbeitsweise zu lernen habe und sehe, wie es war, zu den Zeiten als es das Internet noch nicht gab.

Ansonsten habe ich wieder ein paar Projekte besuchen können, die mich alle sehr beeindruckt haben. Heute zum Beispiel waren wir im SOS Kinderdorf ausserhalb der Stadt. Ein wunderschönes Dorf, das den Eindruck eines Ferienortes hatte. Beeindruckend war aber nicht primär das Äussere, sondern die Lehrbuchreife der Strategie der Organisation. Nichts von „wir kommen und bringen euch eine bessere Welt“, sondern Ausbildung der Unterprivilegierten, damit sie sich selber organisieren können. Wir haben zwar gelernt, diesen Ansatz bei der Arbeit mit Unterprivilegierten zu verfolgen, doch so konsequent – und anscheinend auch erfolgreich - umgesetzt wie hier in Indien, habe ich das noch nie gesehen. (Wobei ich schon gespannt bin, ob sich meine Meinung in den nächsten zwei Monaten noch ändern wird.)

Temperaturen und magic AC

Die Temperaturen steigen und steigen, im Moment sind wir bei plus/minus 40 Grad. Und trotzdem tragen wir lange Hosen und die meisten auch längere Ärmel – und ich bin erstaunt, dass dies überhaupt erträglich ist. Aber so weit geht alles gut. Ist man in einem Raum, gibt es eine Herausforderung, mit der ich in der Schweiz noch nicht gerechnet habe: Wind. Lose Blätter auf dem Tisch werden vom Ventilator sofort weggeblasen. So muss alles Lose beschwert werden, und wenn die Putzfrau kommt, wird der Ventilator ausgeschaltet, damit der Staub nicht einfach in der Luft herumgewirbelt wird. Von dem ganzen Gebläse wird mir manchmal allerdings auch Sturm im Kopf – es ist wie an einem leicht stürmisch windigen Herbsttag. Jedoch ist dies angenehmer, als die dicke Luft, die sonst in den Räumen herrscht, welche selten wirklich Fenster haben.

Ein Luxusgut und wohl immer mehr zum Thema wird die Klimaanlage, sprich AC (air conditioning). Bereits jetzt kann ein Restaurant dem anderen bevorzugt werden, weil das eine AC hat und das andere nicht. Bei mir im Büro hat nur die Chefin das Privileg von kühler Luft, der Rest arbeitet unter einem künstlichen Sturm. In unserer Wohnung haben wir auch nur Ventilatoren und überlegen uns, ob wir uns nicht eine AC anschaffen sollen. Schon jetzt schlafe ich mit dem Ventilator voll aufgedreht, weil es auch in der Nacht um die 30 Grad ist und man die Wohnung mangels Fenster nicht durchlüften kann.

Verkehr

Wie wohl alle wissen, gibt es in Indien Rikshas, Auto-Rikshas und Bicycle-Rikshas. Jeden Morgen fahre ich ca 20 Minuten mit einer Auto-Riksha durch einen endlosen Stau zum Büro. Bevor ich aber losfahren kann, muss ich zuerst eine freie Riksha finden und einen Fahrer, der mich zu einem angemessenen Preis mitnimmt. Das funktioniert so, dass man am Strassenrand steht und winkt, wenn eine freie Riksha kommt. Dann wird über den Preis verhandelt. Natürlich würde es einen Taxometer geben, wie in einem Taxi, aber der wird von den Rikshafahrern nur selten und ungern benutzt, weil sie dann weniger Geld machen. Nach dem Verhandeln geht es los. Der Fahrer schlängelt sich durch Stau, alle möglichen Verkehrsmittel und Kühe und macht dies mit einer extremen Präzision. Die Rückspiegel stehen in der Regel nicht vom Auto ab, sondern sind innen angemacht, damit man besser durch Lücken im Verkehr kommt. Selbst die Autofahrer haben den Rückspiegel auf der Mitfahrerseite entweder abgenommen oder nach innen geklappt.

Die Abgase in der Luft hier sind extrem, sodass ich immer einem Mundschutz in der Tasche habe, den ich mir vor die Nase halte, wenn es zu arg wird. Was aber nicht vermeidet, dass alles, was bei einem Schneuzer aus der Nase kommt, pechschwarz ist. Ein Trainee fährt trotzdem nur noch mit Gesichtsmaske Riksha, weil er sich einen Husten geholt hat, den er auf die Abgase zurückführt. Um das nicht selbst ausprobieren zu müssen, folge ich seinem Beispiel – und bin dabei nicht die Einzige, es gibt auch InderInnen, die dasselbe tun. Früher sei es allerdings noch mehr verbreitet gewesen.

Stromausfall

In den letzten Tagen haben Stromausfälle unfreiwillig zu romantischen candle-light dinner oder schmelzenden Kühlschränken und daurauffolgende Pfütze in der Küche geführt. Jetzt ist es auch wieder der Fall, weswegen ich hier mit meinen eh schon zu langen Bericht ende, bevor meinem Computer noch der letzte Strom ausgeht.

Delhi zum Ersten

April 18, 2008 by fruitilla

So, nachdem ich herausgefunden habe, dass man die Steckdose zuerst mit einem Kippschalter anschalten muss, sitze ich nun bei uns zu Hause auf dem Balkon mit Sicht auf die Hauptstrasse und hoffe, diesen Text später im Internetcafé hochladen zu können. Es ist etwas nach Mittag, die Temperatur zwischen 35 und 40 Grad, aber es geht ein Lüftlein, sodass alles ziemlich ertragbar ist. Nun aber der Reihe nach.

Ankunft

Nach einem knapp 10stündigen Flug mit trinkenden Russen, bin ich um 4 Uhr an der Passkontrolle gestanden, welche die Russen schlimmer als in sowjetischen Zeiten eingestuft haben. Alles ging sehr langsam, aber nach knapp 40 Minuten anstehen durfte auch ich meine ersten Schweisstropfen auf indischer Erde schwitzen.

Nach einer Nacht in einem unglaublich gekühlten Zimmer in einem unglaublich grossen Haus mit unglaublich vielen Haustieren (ca 20 Hunde in Käfigen, ebenso viele Katzen im Käfig daneben, Hühner, eine Kuh, ein Büffel und Vögel), wurde ich in mein neues zu Hause gefahren. Eine unklimatisierte 3,5 Zimmerwohnung mit 8 BewohnerInnen aus aller Welt und einem Hindi sprechenden Diener, der von allen (selbst von den Indern) „W“ (double u) genannt wird. Dieser sollte für uns abwaschen, putzen und sich um unsere Wasserversorgung kümmern (um 3 Uhr in der Nacht muss man einen Tank mit Wasser für den nächsten Tag füllen lassen. Das Prozdere dauert eine Stunde, nach der man alle Hebel wieder zurückschalten muss). Die Kosten für dieses Leistungspaket bezahlen wir direkt an AIESEC DELHI (die Studi-organisation, mit der ich hier bin), welche von uns etwa das Doppelte der eigentlichen Miete verlangt und somit nicht schlecht in die eigene Tasche wirtschaftet. Wie könnte man besser zeigen, dass man als ausländische Person hier überall mehr bezahlt?

Dass auch das Zeitverständnis und die Ernsthaftigkeit von Versprechungen anders zu verstehen sind als bei uns, durfte ich auch schon in meinen ersten Tagen erfahren. Mir wurde versprochen, dass mich jemand an meinen Praktikumsplatz begleiten würde. Einen Tag lang wartete ich vergeben darauf und bin dann schliesslich alleine losgezottelt, um im ISKON Tempel die Geburtstagsfeier für den Gott Rama sehen zu können. Aber siehe da, kaum ist man weg, klingelt das Telefon, wo ich denn sei, ich solle doch so schnell wie möglich zurückkommen. Zurück, wurde ich in einem Militärauto mit rosa Vorhängen zum Expresssightseeing vom Auto aus gebracht, was einen ziemlich pinken Eindruck hinterlassen hat.

Zur göttlichen Geburtstagsfeier bin ich dann doch noch gekommen, da ein Nachbar zu Ehren seiner Tochter im „Hof“ der Siedlung ein Fest mit Essen, Gebet und Tanz organisiert hat, zu welchem wir Trainees auch eingeladen worden sind.

Religionen

Tempel gibt es hier etwa so viele wie Marienstatuen in Italien, immer wieder hört man Musik und sieht, wie sie Essen verteilen. Dementsprechend nutze ich die Gelegenheit, die verschiedensten religiösen Stätten zu sehen und Tänze zu beobachten, auch wenn ich nur bei der Hälfte verstehe, um welchen Gott es sich denn jetzt eigentlich handelt. Jeden Tag ist irgend ein Festival, gestern wurde mit Elefanten, Rössern, Wagen und Musik wahrscheinlich der Geburtstag von Sai Baba, einem Guru, gefeiert. Die Musik wies dabei erstaunliche Ähnlichkeit mit unseren Guggenmusigen auf, nur dass die Musiker statt Kostümen prachtvolle Uniformen tragen.

Praktikum

Als ich dann nach ein paar Tagen doch noch zu meinem Praktikumsplatz gefahren bin, wurde ich dort als erstes mit ein Slum genommen, in welcher die Organisation Mädchen lehrt, mit Papier Figuren zu machen, welche sie später verkaufen können. Zudem verbessern sie ihre Schulkenntnisse, sodass einige von ihnen später weiter in die die Schule gehen können. So weit ich bis jetzt verstanden habe, dreht sich vieles um Kinder, welche gesponsert werden (à la WorldVision, d.h. es gibt Patenschaften, aber auch Sponsoring von Firmen). Mit dem Geld der Patenschaften bekommen die Kinder wenn nötig Kleider, Basisnahrungsmittel und Schulmaterial. Die Organisation organisiert Englischunterricht, Computertraining, lehrt die Mädchen nähen oder bildet sie zu Kosmetikerinnen aus. Für Frauen, die nur kurz zur Schule gehen durften, organisieren sie auch Unterricht, zudem stellen sie ihnen Rechtsberatung zur Verfügung und lehren sie wichtige Dinge wie ihre Grundrechte.

Bis jetzt habe ich vor allem gesehen, wo und wie sie arbeiten, ohne gross selbst etwas zu tun. Wahrscheinlich werde ich entgegen dem, was im Praktikumsbeschrieb gestanden ist, Konferenzen organisieren und Networking unter den verschiedenen NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) betreiben. Oder so.

Im Moment sind noch 3 KanadierInnen in derselben Organisation, welche für ihr Sozialarbeiterstudium einen Ausland-Feldeinsatz machen. Wohnen tun sie in einem Tempel, in dem im ersten Stock Zimmer vermietet werden. Gestern ging ich mit ihnen mit, worauf wir von den Leuten im Tempel zum Essen eingeladen worden sind. Und das funktionierte so: Am Eingang Schuhe ausziehen, sich in eine Reihe setzen (es waren ca 70 Leute im Raum). Man hat einen Palmblätterteller mit verschiedenen Abteilen bekommen, in die die herumlaufenden Helfer Reis und verschiedenen Saucen schöpfen. Das Essen war super (und von der Schärfe her ganz okay J ).

Olympiafeuer

Wie ich gestern gehört habe, gab es anscheinend grössere Auseinandersetzungen in Delhi. Mit den Kanadiern versuchte ich gestern etwas von dem ganzen Getue zu sehen, was nicht ganz einfach war. Die Strassen waren abgesperrt und der Rikshafahrer hat nicht begriffen, dass wir einfach so nah wie möglich wollen. In solchen Fällen stoppt man bei Polizisten oder sonstigen Leuten, von denen man sich eine höhere Bildung erhofft und erklärt ihnen, was man will, damit sie es wiederum dem Fahrer erklären.

Bei der Abschrankung angekommen, standen ca 30 Leute, die auch darauf warteten, dass etwas passiert. Per Zufall war noch eine AIESEC Praktikantin aus China am selben Ort wie wir, sodass wir von vielen Chinesen umringt darauf warteten, dass etwas passiere. Nach einer halben Stunde kamen etwa 8 tibetische Demonstranten mit Flaggen und „Free Tibet!“ rufen angerannt, worauf die Polizei mit zwei Lastwagen voller Polizisten herangefahren kam (interessant dabei, dass die Sikhs zusammen in einem Wagen waren und die andersgläubigen (wahrscheinlich Hindus) in einem anderen.

Die Demonstranten wurden unsanft gepackt, geschlagen, weggefahren, aber so weit ich gesehen habe, 400 Meter weiter weg wieder frei gelassen (oder aber sie haben es geschafft, vom Wagen zu springen..).

Danach wurde die Sache sehr emotional. Eine der Chinesinnen brach in Tränen aus, weil sie sich dermassen für ihr Land schämte und sie die Gleichgültigkeit der anderen Chinesen vor Ort zum Thema Tibet zur Verzweiflung brachte. Als zwei dieser Chinesen sie dann gefragt haben, was denn sei und sie allem Anschein nach zu erklären versuchte, was sie selbst in Tibet gesehen habe und wie sie damit nicht einverstanden sei, sind diese ohne grossen Kommentar weggezottelt. Nicht einfacher gemacht hat die Situation ein Inder, der mit seinen, bestimmt nicht bös gemeinten, aber völlig unsensiblen Kommentaren, von einem Fettnäpfchen zur anderen emotionalen Verletzung getreten ist. Mit der Zeit haben sich aber alle wieder beruhigt und wir für eine weitere Stunde gewartet, während der freudig geredet wurde. Danach musste ich ohne das Feuer oder etwas ähnliches gesehen zu haben, nach Hause, da ich ja Geburtstag hatte und einige Leute zu uns gekommen sind, um bestelltes superfeines indische Gerichte zu essen und zu erzählen.

Und somit bin ich beim heutigen Tag angekommen, der ein Feiertag ist und heute Abend mit einer 12stündigen Busfahrt nach Dharamsala wohl noch zu erzählen geben wird.